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Werte in Politik und Wirtschaft

Pedro de Souza (2012), ISBN 9783848219315
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Mai, 30 n. Chr.

„Herodes hatte den Tempel zu Jerusalem mit unvorstellbarem Prachtaufwand umgebaut. Der Umbau des Tempels hatte schon 16 Jahre vor Christus begonnen, und war zur Zeit Christi fortgesetzt. Jerusalem erhob sich auf drei Bergen: Sion, Moria und Akra. Das Tal Josaphat trennt den Berg Moria, auf dem der Tempel gebaut war, vom gegenüberliegenden Ölberg. Dieser Ölberg mit seinen Ölbäumen und Blumen war der Lieblingsaufenthalt Christi. Auf der Seite des Moriaberges erhob sich terrassenförmig der Tempel: Zu äußerst der Vorhof der Heiden, umgeben von einer Mauer aus Marmor. An dieser Mauer waren mehrere Tore und hohe Türme, Zinnen des Tempels, angebracht. Hier war der Tempelmarkt, wo Opfertiere feilgeboten und das Geschäft des Geldwechsels betrieben wurde. Mehrere Stufen höher gelegen war der Vorhof Salomons, ebenfalls von einer Mauer umgeben. In diesem Vorhofe lehrte Christus oft und wirkte Wunder. „(Beschreibung des Tempels von Flavius Josephus, dem anerkannten jüdischen Historiker.)

Herodes Antipas war verheiratet mit der Tochter des Königs Areta. Während eines Besuchs jedoch bei seinem Halbbruder Philippus, des Sohnes von Herodes und der zweiten Mariamne, in Rom, fiel sein Blick auf Herodias, seine schöne Nichte, die Frau seines Halbbruders Philippus in Rom geworden war. Er war entzückt von ihr, und Herodias, die gerne einen König zum Manne gehabt hätte, verführte ihn. Beide beschlossen, ihre Ehepartner zu verlassen und einander zu heiraten. Herodes verstieß seine erste Frau, die Tochter des Königs Aretas, die zurück zu ihrem Vater floh.

Herodes ist vergleichbar mit dem Menschen, der seinen unbewussten falschen, d.h. irrationalen Denkautomatismen unterliegt. Die Vernunft (Johannes) ‚besucht‘ Herodes oft und versucht, die logische Ordnung im Denken herzustellen, um den Menschen zum bewussten, harmonischen und rationalen Denken anzuregen.

Lk 3,19 Herodes Antipas aber war von Johannes getadelt worden wegen Herodias, seines Bruders Philippus‘ Weib, das er geheiratet hatte, und wegen alles Bösen, das Herodes tat.

Mk 6,18 Denn Johannes sprach zu Herodes: „Es ist dir nicht erlaubt, dass du deines Bruders Weib hast (nach 3 Mo 18,16).“

Herodes hatte von Johannes gehört und wollte ihn sprechen. Und Johannes besuchte Herodes mehrmals.

Herodes, der symbolisch für die Anhaftigkeit an falsche, d.h. irrationale Konditionierungen steht, hatte gedacht, dass wenn er ein König sei, er über dem Gesetz stehen würde und von niemandem kritisiert werden würde. Aber er hatte nicht mit Johannes dem Täufer, der den Verstand und die Vernunft symbolisiert, gerechnet.

Herodes: „Nicht erlaubt? Du weißt, dass ich der Tetrarch bin. Als Tetrarch bin ich ein Diener des Volkes, demzufolge kann ich alles tun, was ich will.“

Johannes: „Als Tetrarch musst du ein Vorbild sein. Du musst geradlinig sein und nach den höchsten ethischen Prinzipien leben. Du dienst dem Volk, indem du für seine Sicherheit sorgst und das Recht auf Leben und Eigentum gewährleistest. Also erhöhe das Gehalt der Polizei um ein Vierfaches und das der Richter um ein Zehnfaches. Alle anderen Ausgaben müssen aufgehoben werden.“

Herodes: „Warum?“

Johannes: „Du hast nur eine legitime Pflicht: Ordnung und Sicherheit für die Bürger zu schaffen. Die Straßen müssen für Frauen und Kinder sicher sein. Unseren Besitz musst du vor Plünderern schützen. Um Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten brauchen wir integere und geradlinige Polizisten und Richter, die hoch bezahlt werden müssen. Wenn sie schlecht bezahlt sind, werden sie ihre Arbeit nicht gewissenhaft machen.

Schütze nur unser Leben und unser Eigentum. Es ist nicht deine Pflicht, Schulen zu verwalten. Das kann Kosten sparender von privaten Erziehern übernommen werden. Es ist nicht deine Pflicht, karitative Arbeit zu leisten, denn alles was du tust, ist, von Petrus zu nehmen, um an Paulus zu bezahlen. Übrigens, fast drei Viertel des Geldes wird für die Verwaltungskosten verwendet. Nur ein Viertel bekommen die Bedürftigen. Karitative Arbeit muss dem Bürger überlassen bleiben. Menschen sind grundsätzlich gut und hilfsbereit. Es ist auch nicht deine Aufgabe, einen Zirkus zu organisieren. Und – halte deine Terror-Bürokraten auf.“

Herodes: „Wir sind nicht autokratisch oder diktatorisch.“

Johannes: „Wir erkennen einen Autokraten daran, dass das Volk die Polizei fürchtet. In einer Diktatur fürchten sich die Menschen vor der Polizei. In einem Rechtsstaat schätzen und respektieren die Menschen die Polizei.“

Herodes: „Ach, hör auf, bitte!“

Johannes: „Ich bin frei und habe Redefreiheit.“

Herodes: „Ich habe gesagt, du bist frei, alles zu sagen. Aber sprich nicht von der Wahrheit!“

Johannes: „Deine Terrorkraten belästigen die Menschen. Sie verlangen Schmiergeld für ihre Arbeit. Es ist schön, die Stärke eines Riesen zu haben. Aber sie auch zu verwenden wie ein Riese ist Tyrannei. Es ist nicht richtig, die Bürger ins Gefängnis zu werfen, nur weil dir ihre Meinungen nicht gefallen. Oder wenn du nur den Verdacht hast, sie hätten ein Verbrechen begangen.“

Herodes: „Sie können nicht beweisen, dass sie unschuldig sind!“

Johannes: „Ein freier Bürger hat nicht die Pflicht, zu beweisen, dass er unschuldig ist. Wenn du ihn z.B. wegen Diebstahl anzeigst, dann kann er nicht beweisen, dass er den Diebstahl nicht begangen hat. Es ist also deine Pflicht, zu beweisen, dass er schuldig ist, bevor du ihn verurteilst.“

Herodias betritt den Raum.

Sie sagt: „Johannes, mein Mann weiß, was seine Pflicht ist. Er ist der Vertreter des Volks. Als Vertreter des Volkes ist es seine Pflicht, zu bestimmen, was die Bürger sagen und tun müssen. Die Bürger, besonders die Intellektuellen und Gelehrten, sind politisch sehr naiv. Also hör bitte auf, meinem Mann zu erzählen, was er tun soll.“

Johannes: „Herodes ist der Vertreter des Volkes. Und es ist das Volk, das seinem Vertreter sagen muss, was dieser zu tun hat, nicht umgekehrt.“

Und Johannes wandte sich um und verließ Herodes.

 


Bei einem weiteren der Treffen, zu dem Herodes Johannes von Zeit zu Zeit bat, fragte er ihn:

Herodes: „Johannes, bist du Herodianer? Bist du mir treu? Oder bist du für die Sadduzäer oder die Zeloten? Sprich die Wahrheit!“

Johannes: „Weder das eine noch das andere bin ich. Es geht nicht darum, ob ich Herodianer bin oder nicht, auch nicht darum, ob ich Sadduzäer oder Zelote bin. Ich bin für Freiheit und eine politische Macht ist gegen die Freiheit. Die Herodianer kontrollieren das Geschäftswesen, das Verhalten, die Sadduzäer kontrollieren den Geist, die Gedanken. Die Zeloten kontrollieren beides, sowohl das Verhalten als auch das Denken. Alle wollen Kontrolle. Darin sind sie einig. Sie sind nur darüber geteilter Meinung, wie sie diese Kontrolle anwenden. Diese drei Arten der Kontrolle sind Fasces-Methoden.

(fasces: Ein mit Lederbändern gebundenes Rutenbündel, das die römischen Lictoren führten. Die Lictoren, die höher stehenden Beamten den Weg freimachten, hatten das Recht, mit Ruten zu schlagen, worauf das Amtszeichen anspielt. Im kriegerischen Bereich, im Feldlager, steckte im Rutenbündel ein Beil, da die Feldherren als Rechteinhaber auch zur Todesstrafe verurteilen durften. Die zivilen Lictoren hatten diese Macht nicht, darum fehlt hier das Beil. Die italienischen Faschisten des zwanzigsten Jahrhunderts (Mussolini) wählten das Rutenbündel als ihr heraldisches Symbol und sind auch danach benannt.)

Wo immer die Regierung sich in eine Affäre einmischt wird das Problem immer schlimmer und schlimmer. Das Volk ist so unwissend, dass es immer mehr Kontrolle will. So wird es immer noch schlimmer. Es ist eine Teufelsspirale. Politische Macht ist wie ein Krebsgeschwür. Auch die Guten werden verdorben werden.

Ich vertrete das jus naturale, das besagt, dass die Gesellschaft sich selbst regulieren kann, ohne Regierung. Nur drei Dinge soll eine Regierung gewährleisten:

  1. Es darf keine Gewalt erfolgen („du sollst nicht töten“)
  2. Es darf nicht in das Eigentum des Menschen eingegriffen werden („du sollst nicht stehlen“)
  3. Frei geschlossene Verträge, die auf der Basis der beiden ersten Gesetzen geschlossen wurden, müssen gehalten werden.“

Herodes: „Das geht nicht. Das Volk braucht Gesetze. Das Volk will Gesetze. Ohne Gesetze ist es furchtsam und ohne Führung.“

Johannes: „Wenn die drei Gesetze des jus naturale erfüllt sind, braucht das Volk keine Angst zu haben. Sein Leben und sein Eigentum sind geschützt.“

Herodes: „Aber das Volk will mehr als diese Gesetze. Die Armen wollen, dass die Reichen mit ihnen ihr Eigentum teilen. Deshalb hat der Staat die Aufgabe, Steuern zu erheben.“

Johannes: „Durch Steuern ist die Armut nicht aufgehoben. Es gibt nur mehr Kontrolle. Und deine Steuer ist Diebstahl, egal wofür du sie verwendest. Steuer führt zu Kontrolle und Gewalt, das ist gegen Freiheit. Es ist politische Macht, und politische Macht führt zu politischer Gewalt und Gewalt ist böse.“

Herodes: „Wie kann es böse sein, wenn es Gutes bewirkt?“

Johannes: „Die Absicht ist gut, aber es führt dennoch zu mehr und mehr Kontrolle.“

Herodes: „Wir haben aber eine wirtschaftliche Flaute derzeit. Was soll ich tun?“

Johannes: „Lass die Geschäftsleute in Ruhe. Das ist das Beste, was du für die Entwicklung der Geschäfte tun kannst.“

Herodes: „Soll ich die Armen etwa verhungern lassen?“

Johannes: „Es gibt jetzt – durch deine Maßnahmen – mehr Arme als zuvor in der Zeit Cäsars.“

Herodes: „Was kann ich dann tun? Wie ernähre ich die Armen? Wie baue ich Schulen? Wie baue ich Straßen?“

Johannes: „Nicht die Regierung soll dafür sorgen, sondern die Privatleute. So war es einst und das Land war reich. Das Geheimnis des Reichtums ist die Unternehmungslust der Bürger, nicht die Umverteilung der Güter, nicht der Staat der Caritas.“

Herodes: „Du bist ein Träumer, Johannes. Dann liegt die Macht in den Händen der Reichen. Sie sind es dann, die im Land bestimmen. Sie bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben werden.“

Johannes: „Sie bestimmen nichts im Land. Es gibt nur die drei Gesetze des jus naturale.“

Herodes: „Hörst du nicht, was ich sage? Sie bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben werden.“

Johannes: „Ja, das ist Freiheit.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Herodes: „Ich will ein neues Gesetz machen, Johannes, und bin gespannt auf deinen Rat: Soll ich verfügen, dass in den Schulen gebetet wird oder nicht? Wir haben mittlerweile Kinder aus der ganzen Welt bei uns, die wir nicht beleidigen wollen mit unseren Sitten und unserer Religion.“

Johannes: „Du weißt, dass ich alleine für Freiheit bin, Herodes. Du hast das Recht auf deine eigene Meinung. Doch du hast nicht das Recht, nach deiner Meinung Gesetze zu erlassen. Jeder ist frei, das zu tun, was er will, solange er die drei Gebote des jus naturale beachtet. Wer ist der Obrige, der sich anmaßt, zu erlauben oder nicht zu erlauben? Wir Menschen sind frei. Niemand hat das Recht, uns durch Erlaubnisse oder Verbote zu beschränken. Der jeweilige Herrscher entscheidet nicht, ob man beten darf oder nicht.“

Herodes: „Aber das Volk verlangt nach einer Haltung der Obrigkeit in dieser Frage.“

Johannes: „Ich bin alleine für Freiheit, Herodes. Schulen sollen privat sein, nicht von der Obrigkeit geführt. Dann können Eltern wählen, zu welcher Schule sie ihre Kinder schicken wollen. Sie sind dann frei, sie in eine Schule zu schicken, in der gebetet wird oder in eine Schule, in der nicht gebetet wird.“

Herodes: „Willst du den Staat abschaffen, Johannes?“

Johannes: „Nein, ich schaffe ihn nicht ab, sondern ich will ihn nur in der Gewährleistung der drei Prinzipien des jus naturale sehen. Das ist seine Aufgabe, nicht mehr und nicht weniger.“

Herodes: „Sonst soll er keine Kompetenzen haben?“

Johannes: „Nein.“

Herodes: „Sei vorsichtig, dass dich diese Haltung nicht eines Tages deinen Kopf kosten wird.“

Johannes: „Du darfst nicht töten, Herodes.“

 


Ein Steuerhinterzieher wird vor Herodes geführt.

Herodes zu dem Mann: „Ah, du hast von Cäsar gestohlen. Du hast Steuer hinterzogen. Ich verurteile dich zu fünf Jahren Gefängnis in Macchaerus.“

Der Mann wird abgeführt.

Herodes: „Du weißt, Johannes, dass wir Cäsar die Steuer entrichten müssen, weil sie Cäsar gebührt. Fünf Jahre sind eigentlich noch viel zu wenig. Wenn ich nicht streng bin, werden die Leute mehr und mehr Steuern hinterziehen. Das ist Diebstahl an Cäsar und du bist doch gegen Diebstahl, hast du gesagt.“

Johannes: „Cäsar gehört nichts.“

Herodes: „Wie bitte? Was sagst du da?“‘

Johannes: „Man kann nicht sein eigenes Geld stehlen. Das Geld gehört dem, der es erarbeitet hat, nicht Cäsar.“

Herodes: „Du scheinst von Sinnen!“

Johannes: „Wenn du Steuern auf Einkommen erhebst, ist das Sklaverei, Herodes. Du sagst zu einem rechtschaffen arbeitenden Mann: ‚Zeig mir, was du verdient hast. Dies erkenne ich an und jenes nicht.‘ Das ist eine Frechheit! Du behandelst den Mann wie einen Leibeigenen!“

Herodes: „Sei vorsichtig mit deinen Worten, ohannes, auch meine Geduld mit dir ist einmal zu Ende.“

Johannes: „Ich bin frei geboren und darf frei reden. Und ich sage dir: Hortensius Hortalus, der vor etwa 140 Jahren gelebt hat, war ein Rechtsanwalt. Einmal wurde er zu Cäsar gebracht wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Er sagte zu ihm: ‚Nein, ich habe immer den höchsten Satz bezahlt und deine Beamten haben mich sogar gelobt. Ich habe mehr als alle anderen Bürger bezahlt.'“

Herodes: „Das war ehrenwert!“

Johannes: „Sogar dieser berühmte und intelligente Mann wusste nicht, dass er ein Sklave ist.“

Herodes: „Wie kann er ein Sklave gewesen sein? Er war ein freier Mann!“

Johannes: „Wie kann er frei sein? Er wird kontrolliert von den Beamten. Sie wissen alles über ihn und bedrohen ihn, wenn er Angaben verweigert. Sie lassen ihn dann einsperren! Er denkt, er tut Richtiges, er denkt, dass es selbstverständlich und richtig ist, Steuern zu bezahlen und rühmt sich damit. Ein Sklave, der fälschlicherweise denkt, er sei frei, ist ein Feind der Freiheit!“

Herodes: „Du darfst nicht zu Widerstand gegen den Staat aufrufen. Wehe, du verkündest deine Meinung öffentlich!“

Johannes: „Ich kann sagen, was ich denke. Ich bin frei. Du nennst mich frei und willst mir dennoch meine Rede verbieten? Das ist ein Widerspruch in sich. Du nennst den Mann frei und enteignest ihn? Das ist ein Widerspruch in sich. Du nennst den Mann frei und sperrst ihn ein, wenn er nicht deinen Willen tut? Da ist ein Widerspruch in sich. Was du willst, sind keine freien Menschen, sondern Sklaven. Du redest ihnen ein, sie seien frei, damit sie sich von dir in Ruhe ausbeuten lassen für deine eigenen Ideen. In Wahrheit hast du Angst vor freien Menschen und du tust alles dafür, dass sie nicht merken, welches Spiel mit ihnen getrieben wird.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Eines Tages unterhielt sich Herodes mit seinem Weib.

Herodes: „Liebes Weib, dein derzeitiger Lebenswandel kostet viel Geld. Ich werde die Steuern erhöhen.“

Herodias: „Gut, aber die Leute sind so arm, sie werden noch ärmer werden und sich dann gegen dich wenden. Das wird uns in Gefahr bringen.“

Herodes: „Moment! Ich werde sie nur von 2% auf 10% erhöhen.“

Herodias: „Es wird Proteste geben.“

Herodes: „Natürlich. Dann reduziere ich sie von 10% auf 3% und alle werden sehr zufrieden sein. Das ist das, was ich wollte: 3%.“

Herodias: „Wie lange wird es bei 3% bleiben?“

Herodes: „Bis zum nächsten Jahr. Dann kündige ich an, die Steuern auf 15% zu erhöhen und dann reduziere ich sie auf 4% und so werde ich fortfahren.“

Herodias: „Denkst du nicht, dass das Volk deine Strategie bemerken wird?“

Herodes: „Ich erzähle dir eine Geschichte, Herodias, meine Liebe: Ein Bauer hatte einen Frosch. Den Frosch setzte er in einen Kochtopf. Der Topf war offen, aber der Frosch wurde gekocht. Ein Freund fragte: ‚Wieso ist der Frosch nicht aus dem Kochtopf herausgesprungen?’ Der Bauer sagte: ‚Ich habe die Temperatur immer nur um ein Grad erhöht. So hat der Frosch nichts gemerkt.’“

Herodias: „Du bist sehr schlau, mein Gemahl. Und auch ich habe eine glänzende Idee: Du kannst die Reichsten mit 30% Steuern belasten. Nur die Reichsten, die mehr als 100000 Dinare pro Jahr verdienen. Das wird dem armen Volk gefallen. Die brennen vor Neid auf die Reichen und werden dir huldigen, Herodes. Die Massen werden voller Lob deinen Namen rufen.“

Herodes: „Das klingt gut, Weib, aber ist das nicht unfair?“

Herodias: „Nein, das ist nicht unfair, weil es sich nur auf 3% der Bevölkerung bezieht. Wer mehr verdient, muss mehr bezahlen. 97% des Volks werden dir zustimmen, wenn du dieses Gesetz erlässt. Wer mehr verdient, soll mehr bezahlen. Das ist gerecht. Gib den Reichen ein schlechtes Gewissen und den Armen den Neid, dann wirst du erfolgreich sein.“

 


Herodes erzählt Johannes von seinem Vorhaben.

Johannes: „Das bedeutet, dass die Reichen mehr bezahlen sollen? Sie bezahlen damit automatisch auch mehr für Sandalen, Brot und Togas als die anderen Menschen. Das ist nicht gerecht, das ist Diebstahl, es ist unmoralisch, Herodes.“

Herodes: „Aber die Armen werden entzückt sein.“

Johannes: „Weil sie neidisch sind, sind sie entzückt, nicht weil es gerecht ist.“

Herodes: „Das ist egal, Hauptsache, sie sind für mich. Wenn 97% für mich sind, ist es mir egal, aus welcher Motivation heraus sie mich lieben.“

Johannes: „Es wird ihnen nichts nützen. Auch in Rom wurde es eingeführt, dass die Reichen mehr bezahlen müssen. Und nur die sehr Reichen wurden zur Kasse gebeten, nicht aber die Mittelreichen und die Armen. Das gefiel den Mittelreichen und den Armen, denn sie waren neidisch und sie hatten einen Vorteil dadurch, ohne selbst eine Leistung erbringen zu müssen.

Dann aber wollte Cäsar auch Steuern von den Wäschern, die zu den Mittelreichen gehörten. Sie wuschen die Togas, indem sie sie in Urin reinigten. Bis dahin hatten sie keine Steuern bezahlen müssen. Nun aber waren sie verärgert und die Vertreter der Wäscher gingen zu Cäsar, um sich zu beschweren und sagten: ‚Wir verdienen zwar Geld, aber wir verdienen es mit harter und stinkender Arbeit, es ist nur gerecht, dass wir keine Steuern zahlen müssen.’ Und Cäsar hatte geantwortet: ‚Pecunia non olet. Geld stinkt nicht.’ So wurden mehr und mehr Menschen besteuert, und zum Schluss auch die Armen, die sich vorher noch über die Steuern der anderen gefreut hatten. Wegen ihres Neides mussten nun auch sie an die Obrigkeit von ihrem Eigentum abgeben. Es wäre besser gewesen, die 97% hätten vorher nicht zugestimmt. Aber sie waren unwissend.“

Herodes: „Papperlapapp. Rom ist nicht Palästina. Sei ohne Sorge, die Steuern betreffen die 97% der Bevölkerung nicht. Und diese 97% werden das, was du Diebstahl nennst, für sozial gerecht halten. Hier werden nur die ganz Reichen besteuert und das wird sehr gut gehen.“

Johannes: „Das ist Rassismus, was du da betreibst.“

Herodes: „Wieso Rassismus?

Johannes: „Es ist wie ethnischer Mord.“

Herodes: „Johannes, das ist doch kein Mord!“

Johannes: „Es ist wie ein ethnischer Mord! Die Ursache ist die gleiche.“

Herodes: „Aber es wird doch niemand getötet!“

Johannes: „Du handelst aus dem selben Grund, wie die ethnischen Mörder. Wer zu einer bestimmten Rasse oder Bevölkerungsgruppe gehört, wird besteuert, wer nicht dazu gehört, ist davon nicht betroffen. Es werden nur bestimmte Leute besteuert, die zu einer bestimmten Gruppe gehören.“

Herodes: „Das ist soziale Gerechtigkeit!“

Johannes: „Es ist Diebstahl und Rassismus und Volksverhetzung.“

Herodes: „Es wird den Armen helfen.“

Johannes: „Es wird den Armen nicht helfen. Viele Wäschereien wurden geschlossen in Rom. Die Steuern hatten die Arbeitslosigkeit erhöht. Am Ergebnis kannst du erkennen, ob die Maßnahme gut ist. Früher gab es viel Wohlstand. Wo ist er geblieben? Verschwunden! Sind die Armen reich geworden? Nein, es gibt immer mehr Steuern und immer mehr Armut. Das ist der Zusammenhang, den du dich weigerst, zu erkennen.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Herodes berichtet seiner Frau Herodias von dem Gespräch mit Johannes.

Herodes: „ … Aber wie kann ich einen Palast bauen und in Luxus leben, ohne Geld vom Volk einzutreiben? Wie kann ich über sie regieren und meine Macht ausüben, wenn ich kein Geld von ihnen bekomme?“

Herodias: „Das darfst du dem Volk natürlich nicht sagen, dass es dir um meinen Lebenswandel und um dein Machtbedürfnis geht. Berufe dich lieber weiterhin auf die Armen. Es ist unerheblich, was Johannes sagt. Er ist nur ein Einzelner. Die Armen aber werden dich lieben. Sie denken nicht wie Johannes. Die Armen werden dir vertrauen. Sag ihnen, dass du Krankenhäuser, Straßen und Schulen mit dem Geld der Reichen bauen wirst. Sag ihnen, du wirst mit dem Geld Forschung zu ihrem Nutzen betreiben. Die Armen werden dich feiern. Arme wird es immer geben und deshalb wird es immer Menschen genug geben, die dich unterstützen werden. Mit sozialer Gerechtigkeit kannst du immer argumentieren, weil es immer Arme geben wird. Und Arme sind immer neidisch. Damit hast du Erfolg.“

 


Herodes: „Johannes, wie kann ich das Problem der Armut und Gewalt beseitigen?“

Johannes: „Willst du das denn wirklich? Was ist deine Motivation? Ich glaube deiner Absicht nicht. Wenn du die Armut beseitigst, hast du keinen Grund mehr, Steuern zu kassieren, du würdest dich überflüssig machen. Dann kannst du nur einen Krieg führen, um wieder an Steuern zu kommen. Du kennst meine Grundsätze hierzu: Ich sage: Nur Freiheit löst die Probleme. Es muss in allen Punkten Freiheit geben, außer in den drei Gesetzen des jus naturale. Denn wenn diese drei Punkte eingeschränkt werden, geht jede Freiheit verloren.

Gerechtigkeit geht im jus naturale nicht nach der politischen Macht, nicht danach, was Obrige dem Volk gönnen, gewähren oder verbieten. Es ist einzig gerecht, die Freiheit zu garantieren auf der Basis des jus naturale. Dann lösen sich alle Probleme. Steuer verhindert Armut nicht, sie fördert sie sogar. Nur Freiheit kann Armut beseitigen.

Herodes: „Johannes, du widersprichst dir! Einerseits sagst du, dass Freiheit das Problem der Armut löst, andererseits sagst du, dass es immer Arme geben wird. Das ist ein Widerspruch! Durch einen Widerspruch ist dein Konzept ungültig, wie Du selbst einmal gesagt hast!“

Johannes: „Der Widerspruch liegt bei dir, Herodes. Es wird immer Arme geben, wenn es keine Freiheit gibt, wenn Cäsar sich einmischt und anmaßt, den Menschen ihr Leben vorzuschreiben und ihr Eigentum zu stehlen. Mit der Freiheit wie ich sie beschreibe, gibt es keine oder nur wenig Arme. Nur die werden arm sein, die sich weigern, für sich selbst zu sorgen. Den wirklich Bedürftigen wird freiwillig und privat geholfen werden, denn ohne Steuern haben die Menschen genügend Geld für wohltätige Nächstenliebe.“

Herodes: „Was ist mit dem, der auf der Straße dahin vegetiert?“

Johannes: „Herrscher nehmen Steuern vom Volk und sagen, sie verwenden es für die Armen. doch die Armen sind immer noch da. Nun erhöhen die Herrscher wieder die Steuern für die Armen. Auch Julius Cäsar hatte so gesprochen und auch andere Herrscher aller Länder. Und immer noch sind Arme da. Es gab sogar mehr Arme unter Augustus als unter Julius Cäsar. Die Steuern für die Reichen haben die Armen nicht reicher gemacht. Es gibt sogar mehr Arme, weil viele Reiche durch die Steuern selbst arm geworden sind. Man hat es gerecht genannt, das Geld umzuverteilen unter den Bürgern. Nun sind alle arm geworden.

Herodes: „Es ist doch gerecht, dass die Reichen den Armen von ihrem Reichtum abgeben.“

Johannes: „Gerecht ist es, wenn ein Mann die Frucht seiner Arbeit ernten darf und sie ihm nicht durch Zwang genommen wird. Das ist unmoralisch und Diebstahl.

Im System der Freiheit gibt es immer Arbeit und wenn ein Mensch zu schwach ist, wird ihm geholfen werden. Freiwillig! Reiche helfen immer freiwillig den Schwachen. Sie tun es gerne. Sie tun es aus Liebe. Liebe kann nicht gesetzlich verordnet werden. Wer gezwungen wird, zu helfen, tut es aus Angst vor Strafe und diese Gabe hat eine negative Schwingung für den Empfänger. Er wird von einer solchen Gabe nicht reicher, sondern noch ärmer. Wer frei ist, zu helfen, der hilft gerne und seine Liebesgabe wird den Empfänger reich machen.

Doch du, Herodes, sprichst und denkst und drehst dich geistig innerhalb eines falschen Denksystems. Es ist falsch, weil es unmoralisch ist und die individuellen Freiheitsrechte der Menschen mit Füßen tritt. Du bist nicht in der Lage, aus deinem Gedankensystem herauszutreten. Meine Antworten basieren auf einem moralischen und freiheitlichen Denksystem. Doch wer innerhalb des falschen Systems fragt, kann die Antworten von außerhalb des Systems nicht einfach annehmen. Du verstehst es nicht. Du bist konditioniert auf die Antworten, die du selbst geben würdest. Es bedarf einer geistigen Revolution, wenn du dein System verlassen willst.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Dennoch dachte Herodes immer wieder über die Gespräche mit Johannes nach und eines Tages fragte er ihn erneut: „Johannes, wenn ich keine Steuern einziehe, wird es Chaos geben. Es gibt keine Häuser für die Kranken, keine guten Straßen und all diese Dinge. Alles ist dann von der Willkür der Reichen abhängig.“

Johannes: „Es gibt eine Übergangzeit, die schwierig sein kann, weil die Menschen nicht mehr gewohnt sind, für sich selbst zu denken und zu handeln. Doch wenn es Freiheit gibt, werden mit der Zeit alle immer reicher werden, nicht nur einige Wenige. Somit werden die Menschen unabhängiger sein als je zuvor. Jeder ist dann reich genug, selbst aktiv zu werden und das zu erreichen, was ihm am Herzen liegt. Es wird Menschen geben, die Häuser für die Kranken bauen werden, Menschen, die Schulen für die Kinder gründen werden, Menschen, die Prachtstraßen errichten werden. Jeder Mensch hat ein Interesse und wird es umsetzen, wenn er die Mittel dazu besitzt. Er wird es gerne tun und freiwillig. Und jeder wird für sein Wohl selbst sorgen und auch für das seiner Familie, er wird die Versorgung durch deinen Staat nicht mehr benötigen. Das würde dir allerdings deine Möglichkeit der Machtausübung nehmen, denn die Menschen üben ihre eigene Macht über sich selbst aus. Jetzt sind sie durch ihre Regierung – durch dich und die Römer – entmachtet. In der Freiheit sind sie selbst machtvoll. Sie erhalten durch die Freiheit die Macht über sich selbst, die ihnen von Natur aus gegeben ist.

In der Königszeit – bis 250 Jahre ab urbe condita – hatten die Könige für sich beansprucht, die göttliche Macht zu haben, Gesetze zu erlassen. Sie hatten keine Prinzipien. Sie taten einfach, was sie dachten, dass notwendig zu tun schien. Die Könige sagten: ‚Kein Gesetz ist höher als das Gesetz der Politiker.’ – Das war eine Zeit der Diktatur. Die Könige waren Diktatoren. Es herrschte Willkür der Königs-Politiker. Es gab Steuern, und die Könige taten damit, was sie für nötig hielten. Die Rechte wurden durch den Staat gegeben und konnten vom Staat zurückgenommen werden. Willkürliche Gesetze aber vernichten den Wohlstand.

In der Zeit der Römischen Republik – 250–723 ab urbe condita – herrschte das jus naturale, von dem ich dir immer wieder berichte. Es ist ein natürliches Recht. Es geht davon aus, dass die Vernunft existiert. Es stammt von der Natur des Universums und spornt die Menschen an, Gutes zu tun und Böses zu vermeiden. Diese Vernunft der Natur ist Gesetz. Das Gesetz ist bereits immanent in der Natur und der Natur des Menschen vorhanden, es muss nicht von Politikern künstlich hergestellt werden. Die vielen unterdrückenden Gesetze, die die Politiker in Kraft setzen, sind nicht besser als jene von Räuberbanden.“

Herodes: „Was ist das jus naturale?“

Johannes: „Das habe ich bereits gesagt und wiederhole es gerne. Es hat nur drei Gesetze, die lauten

  1. nicht töten (Recht auf Leben)
  2. nicht stehlen (Recht auf Eigentum)
  3. rechtes Wort halten (rechte freie Verträge schließen und einhalten)

In der Römischen Republik der Freiheit gab es Reichtum, Wohlstand, wenig Armut, Bildung, Kunst, hohe Musik.“

Herodes: „Gab es all das für alle Römer oder nur für Privilegierte?“

Johannes: „Cäsar wollte jedem Bürger eine Villa geben. Er machte Kriege, um seine Interessen zu verteidigen, obwohl es für die Römer keine Gefahr gab. Er hat sein ‚Interesse’ nicht einmal definiert. Er meinte, man solle diplomatisch mit anderen Völkern umgehen, soweit es möglich ist und mit Krieg und Gewalt, wenn es nötig ist. – Um nun jedem eine Villa zu geben hat er Steuern erhöht. Anstatt nun den Bürgern Villen zu geben, hatten immer weniger Bürger Villen und auch die Reichen wurden arm.“

Herodes: „Aber seine Absicht war gut.“

Johannes: „Seine Absicht war gut, er wollte die Fische vor dem Ertrinken retten. Im übrigen ist es nicht seine Aufgabe, den Römern Villen zu geben. Jeder Römer konnte sich sein Eigentum in der Republik der Freiheit selbst erwirtschaften und selbst entscheiden, ob er eine Villa besitzen oder anders leben möchte. Es ist nicht die Aufgabe Cäsars, für den Wohlstand der Römer zu sorgen. Er tut es automatisch, indem er sie ihre Geschäfte frei tätigen lässt. Für ihren Lebensstil sind die Römer selbst verantwortlich. Cäsar ist nicht ihr Vater und sie sind keine Kinder. Sie sind erwachsen, frei und eigenverantwortlich. Das ist sozial gerecht.

In der Zeit der Römischen Republik war jeder glücklich und weit von der streitenden, kämpfenden Welt entfernt. Rom hatte nichts mit den anderen Völkern zu tun außer durch geschäftliche Verbindungen. Sie hatten keinerlei politische Beziehungen mit anderen Ländern. In der Republik waren die Menschen geschützt vor Gewalt, und sie waren frei, ihre Geschäfte zu tätigen und ihnen wurde nichts von dem durch Steuern geraubt, was sie mit ihrer eigenen Arbeit verdient hatten.

Dann gab es das so genannte Pax Romana. Es war eine Vereinigung aller Nationen dieser Zeit. Augustus Cäsar hatte es eingeführt und wir dulden es immer noch. Wir sind eine Vereinigung aller Nationen und symbolisieren das mit dem „fasches“. Das symbolisiert eine Vereinigung unter dem Beil und zeigt, was passiert mit jenen, die den Politikern nicht gehorchen. Das Pax Romana vereinigt die Nationen durch Zwang in Form von willkürlichen Gesetzen und durch Steuern. Es gibt Preiskontrolle, Geldschwächung und zunehmende Armut. Wer den Politikern nicht gehorcht wird verhaftet. Das Volk muss tun, was die Politiker für richtig halten. Das Volk lebt unter der Willkür seiner Herrscher. Diese Willkür kann auch eingesetzt werden, um Kriege zu führen und das Volk auszubeuten. Es gibt Einschränkung von Versammlungs- und Meinungsfreiheit.“

Herodes: „Aber du kannst doch sagen, was du willst, du hast doch Meinungsfreiheit, Johannes.“

Johannes schweigt.

Herodes: „Und wir müssen doch die Anti-Römer bestrafen.“

Johannes: „Was sind Anti-Römer?“

Herodes: „Das ist jeder, den ich nicht mag.“

Johannes: „Das ist nicht gerecht.“

Herodes: „Gerechtigkeit haben wir im Pax Romana!“

Johannes: „Wie definierst du Gerechtigkeit?“

Herodes: „Gerechtigkeit ist das, was die Politiker sagen, dass Gerechtigkeit ist.“

Johannes: „Wie in der Königszeit. Und es gibt Unmengen von Jokergesetzen.“

Herodes: „Was meinst du damit?“

Johannes: „Ein Jokergesetz sagt: Alles ist erlaubt, aber dies und das darfst du nicht tun. Du hast das Recht, zu tun, was du willst, außer dem, was dem Kaiser nicht gefällt. Das Jokergesetz macht die vorherige Freiheit gegenstandslos!“

Herodes: „Pass auf, was du sagst, Johannes.“

Johannes: „Habe ich also doch keine Redefreiheit?“

Herodes: „Sag, was du willst, aber bloß nicht die Wahrheit.“

Johannes: „Sowohl Julius als auch Augustus Cäsar wollten Gott werden. Augustus wurde mit ‚Seine Göttlichkeit’ angesprochen und auch jetzt noch so genannt. Dies kann zum Vorbild für alle künftigen Herrscher werden. Wenn das Volk es duldet, werden künftige Herrscher sich verehren lassen als Götter und unter römischen Kuppeln residieren. Zurück zu den Steuern: Die Römer waren reich in der Republik. Nun werden die Menschen besteuert und sie werden ärmer und ärmer. Die Politiker und tyrannisierenden Zöllner sind wie Parasiten auf dem Rücken der Bürger. Sie werden das Reich zu Grunde richten. Alle großen Reiche gehen zu Grunde durch Unfreiheit.“

Herodes: „Wovon sprichst du?“

Johannes: „Nimm zum Beispiel Etruska. Es war ein großes Reich. Dann wurde es zerstückelt und es gab Kämpfe allerorten. Nun träumten die Etrusker von den Zeiten der Diktatur, die sie zuvor bekämpft hatten. Sie vergessen, dass die Diktatur die Ursache für ihre Unfreiheit und Armut war. Sie sehnten sich nach dem, was sie zuvor unterdrückt hatte, weil sie die Geschichte vergessen hatten. Nun kam ein anderer Diktator und besiegte das Land und sie mussten nun Fremden gehorchen. Sie waren erneut unfrei und wurden noch mehr besteuert als je zuvor. Das Gleiche wird Rom passieren. Die Römer werden – um ihre Armut zu überwinden – das tun, was die Armut zuvor verursacht hatte, nämlich mehr und mehr Kontrolle, Unfreiheit und Steuern einführen, und das wird der Untergang des Römischen Reiches sein.“

Herodes: „Du meinst wirklich, dass dies Rom zustoßen wird?“

Johannes: „Die Geschichte wiederholt sich selbst. Es sei denn, du lernst aus ihr und erhöhst dein Bewusstsein darüber.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Eines anderen Tages trafen sie erneut zum Gespräch zusammen.

Herodes: „Johannes, ich möchte, dass die vielen Völker wirklich zusammenwachsen. Ich werde dafür sorgen, dass die belohnt werden, die einen Ehepartner aus einer anderen Nation heiraten. So wird Friede zwischen den Völkern entstehen und sie werden sich nicht länger bekämpfen und natürlich auch mich nicht bekämpfen.“

Johannes: „Frage dich zuerst, was du wirklich erreichst damit.“

Herodes: „Was ich dir sagte: Frieden und Völkerverständigung.“

Johannes: „Das ist ein gutes Ziel, das mit anderen Mitteln besser erreicht werden kann – nicht durch bunte Vermischung aller Völker. Lass mich dir zuerst berichten: In früheren Zeiten wurden andere Nationen erobert und als Gefangene ins eigene Land gebracht, damit sie die Arbeit auf den Feldern verrichten. Sie waren Sklaven und hatten kein Selbstbewusstsein.

Später machte Augustus keinen Krieg mehr, lud aber alle Ausländer als Gäste nach Rom ein. Sie wussten, dass Rom angesehen war und wollten von diesem Ansehen einen Glanz abbekommen, indem sie dort lebten. Sie durften kommen, wenn sie bereit waren, freiwillige Sklaven zu sein. Sie kamen aber nicht aus ihrem Selbstbewusstsein heraus nach Rom, sondern aus ihrem fehlenden Selbstbewusstsein.

Was war Augustus’ Ziel? Friede und Völkerverständigung? Das sagt er und gleichzeitig freut er sich, dass er die Nationen nicht mehr mit Kriegen erobern musste, um ihr Herrscher zu sein. Er lud sie einfach ein. Er sagte zu den Römern, sie sollen nicht gegen diese Ausländer sein, sondern sie willkommen heißen. Nun war er Herrscher über andere Nationen geworden, ohne Krieg führen zu müssen.

Dient das tatsächlich dem Frieden und der Völkerverständigung? Die neuen Mitbürger haben ihre Identität verloren. Sie sind nicht mehr stolz auf das, was sie sind, sondern bemühen sich, gute Römer zu werden. Dadurch geht ihre ursprünglich Kraft und ihr Geist, ihre Kultur und ihr Stolz verloren. – Ja, es gibt einstweilen keinen Krieg mehr, – ja, es gibt eine gewisse Verständigung, aber zu welchem Preis? Zum Preis der Gleichmacherei, zum Preis der Schwächung einst starker Völker und Kulturen.“

Herodes: „Aber es ist doch wichtig, dass kein Krieg mehr herrscht und die Völker sich verstehen.“

Johannes: „Das kann auch einfach mit Respekt vor der andersartigen Einmaligkeit eines anderen Volkes erreicht werden. Einfach mit den Gesetzen des jus naturale. Dadurch behalten alle Völker ihre ureigene Besonderheit und Kraft.

Gott hat verschiedene Völker erschaffen. Sie sollen nicht durch fortwährende Eroberungen ausgelöscht werden. Sieh Karthago! Nach dem dritten punischen Krieg wurden die Männer von den Römern vernichtet. Die Frauen wurden Skavinnen in Rom. Das Volk hat aufgehört, zu existieren.

Oder sieh den Untergang des Volkes durch den Ägyptenfeldzug von Cäsar! Eine leistungsfähige Generation hört auf, sich fortzupflanzen, und damit sind auch die Leistungen beendet, die für dieses Volk kennzeichnend sind. Niemand mehr wird ägyptische Pyramiden bauen! Und mit den Bauherren geht auch die Technik verloren. Andere können Theorien über die Technik entwickeln, aber es wird kein menschliches Wesen mehr geben, das sagen kann, wie sie erbaut wurden.

Das Geistige ist an den Körper gebunden und mit dem Tod des letzten Paares eines Volkes stirbt auch der überlieferte Gedanke. Nur das in seiner Eigenart fortgesetzte Volk lebt weiter, wirkt weiter, leistet weiter. Deshalb ist es nötig, die Völker in ihrer individuellen Besonderheit zu erhalten, wenn ihre Leistungsfähigkeit fortgesetzt werden soll.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Eines Tages befragte Herodes wiederum Johannes, denn die Ursachen vielfältiger Entwicklungen in seinem Land waren ihm unklar und er wusste, dass Johannes einen scharfen Verstand besaß.

Herodes: „Johannes, ich sehe, dass die Preise immer weiter steigen. Doch ich will, dass es dem Volk gut geht und es nicht so viel bezahlen muss. Immerhin zahlt es meine Steuern. Wenn die Preise für Brot und Sandalen weiter ansteigen, werden die Leute die Steuern nicht mehr bezahlen wollen und rebellieren. Was kann ich tun?“

Johannes: „Du weißt, Herodes, wie ich zu Steuern stehe. Deine Steuern sind Enteignung und Diebstahl.“

Herodes: „Lass uns nicht wieder darüber streiten, sondern sag mir, wie ich die hohen Preise der Händler verhindere.“

Johannes: „Dazu musst du die Zusammenhänge erkennen.“

Herodes: „Johannes, mach mich nicht ärgerlich. Sag mir, was du weißt.“

Johannes: „Julius Cäsar brauchte einst Waffen für seine Kriege. Du weißt, wie ich zu Kriegen stehe. Mord ist kein Mittel der Auseinandersetzung …“

Herodes: „… komm jetzt zur Sache, zu der ich dich befrage, Johannes!“

Johannes: …also hatte Julius Cäsar hohe Ausgaben und brauchte Geld für Waffen, Pferde, Schiffe, Nahrung für die Soldaten usw. Was tat er? Er erhob Kriegssteuern. Das Volk war verärgert und schließlich wurde er ermordet. Erstens, weil er auch andere Länder erobert hatte, um diesen Steuern abzunehmen und zweitens, weil Brutus dachte, er müsse nun keine anderen Länder mehr erobern, um Steuern zu kassieren, er könnte die Römer selbst besteuern, indem er Arbeiter aus anderen Ländern, auch aus den eroberten Gebieten, zu Römern machte und diese dann nach römischem Recht besteuerte.“

Herodes (ärgerlich): „Johannes, du siehst mich ungeduldig, wenn du nicht sofort auf den Kern kommst.“

Johannes: „Geduld, Herodes, Zusammenhänge kann man nur erfassen, wenn man den Kontext berücksichtigt. …“

Herodes (scharf): „ Johannes …!“

Johannes: „Wenn die Bürger zu sehr besteuert werden, töten sie ihren Herrscher oder machen eine Revolution. Das wusste Julius Cäsar und er hatte Angst davor. So erdachte er eine andere Lösung, um an Geld zu kommen:

Die Münzen waren kleine, aus Edelmetall – Gold oder Silber geprägte, Objekte. Also beschloss Julius Cäsar, wenn er die Steuern nicht mehr steigern konnte, mehr Münzen zu prägen. Doch nur aus Gold oder Silber sind die Münzen echt und besitzen Wert. Alle anderen Münzen sind Fälschungen. Julius Cäsar vermutete, dass die Bürger Fälschungen erkennen könnten.

Julius Cäsar konnte also keine neuen Münzen prägen, weil er kein Gold und Silber mehr besaß und er konnte auch nicht noch mehr Steuern erheben. So kam er auf die Idee, die vorhandenen Münzen geringfügig abzuschleifen und aus dem eingeschmolzenen Abschliff neue Münzen zu prägen. Auf diese Weise wurde der Durchmesser der Münzen minimal kleiner. Am Anfang merkte das niemand, doch da Cäsar dieses Vorgehen wiederholte, wurden die Münzen so klein, dass es den Bürgern auffiel.

Sie merkten, dass die Münze kleiner war und ein Barbier wollte nun 2 Dinare für den Bartschnitt anstatt eines Dinares haben, denn nun hatten erst 2 Dinare das Gewicht und somit den Wert von dem, was zuvor ein Dinar an Gewicht und Wert aufwies. Die Preise stiegen.

Die Bürger wurden unwillig und schalten auf Cäsar und Cäsar beruhigte das Volk, indem er Rillen an den Rand der Münzen prägen ließ, so dass das Volk die Garantie hatte, dass eine Münze mit Rillen nicht abgeschliffen worden war. – Nun konnte er kein Gold mehr abschleifen, ohne dass das Volk es merkte und im Gegenzug blieben die Preise stabil.

Sein Problem war nun erneut vorhanden und er überlegte, wie er Geld prägen konnte, ohne dass es dem Volk auffiel.

Seine Berater brachten ihn auf die Idee, kein reines Gold oder Silber mehr zu verwenden, sondern Kupfer beizumischen. So blieben das Gewicht und die Größe der Münze gleich. Hatte der ursprüngliche Dinar jedoch noch 94% reines Silber, so hatte der neue Dinar nur noch 91% Silber und Cäsar hoffte, dass das Volk den Wertverlust nicht bemerken würde.

Sein Geldverbrauch stieg indes immer mehr an, denn Cäsar wollte beim Volk beliebt sein, um seine Macht und sein Ansehen zu sichern, und so tat er vieles, was nicht seine Aufgabe war, wie z.B. Geld an Arme und Reiche zu verteilen. Den Armen gab er Caritas und den Reichen gab er Subventia. So freuten sie die Armen, weil sie etwas bekamen, ohne eine Leistung erbringen zu müssen und die Reichen realisierten zunächst nicht, dass er ihnen von dem gab, was er ihnen zuvor durch Steuern entwendet hatte. Das alles konnte er nur tun, indem er den Silberwert der Münze weiter verringerte und immer mehr Kupfer beigab.

In unserer Zeit haben wir nun nur noch 49% Silber in den Münzen. Sie sind also weniger als die Hälfte von dem wert, was sie ursprünglich wert waren, und weil das Volk nicht dumm ist, sind die Preise ebenfalls um mehr als das Doppelte gestiegen, denn das Volk will den richtigen Wert für seine richtige Arbeit.

Weil das Volk weiß, dass kaum mehr Silber in den neuen Münzen ist, spart es die guten alten wertvollen Münzen aus echtem Silber und gibt die wertlosen neuen Kupfermünzen aus. Das schlechte Geld vertreibt das gute Geld.

Nun gibt es mehr und mehr Kupfergeld. Wenn es also mehr Münzen gibt, sinkt der Wert der Münzen oder verfällt ganz. Das heißt, dass ein Mann mehr Münzen benötigt für die gleiche Menge Ware oder Dienstleistung, die er kaufen will. Ein Pferdewagen kostete einst 90 Dinare Silber, jetzt kostet er 300 Dinare Kupfer-Silber.

Wenn viel Geld geprägt wird, ist das Inflation. Hohe Preise sind die Folge dieser Inflation, nicht die Ursache.

Wenn es mehr Münzen gibt wird der Wert geringer und die Preise dadurch erhöht. Es gibt keine Nachfrage für wertlose Münzen, deshalb wollen die Menschen sie loswerden und etwas dafür kaufen, was wertvoller ist.

Ich gebe dir ein weiteres Beispiel, Herodes:

Themistokles, der Führer von Athen musste gegen die Perser kämpfen. Er brauchte Geld, um Schiffe für den Krieg zu bauen. Vor ungefähr 500 Jahren hatte er in Laurium, in der Nähe von Athen, eine Silbermine gefunden. Aus diesem Silber wurden Münzen geprägt und er konnte mit wenigen Münzen 200 Schiffe bauen für die Schlacht an den Thermopylen. Anschließend hatten die Griechen das Silber mit Kupfer gemischt. Die Preise stiegen, Griechenland wurde immer ärmer und schließlich von den Feinden geschlagen.

Die Römer haben das Fälschen von Münzen bei den Griechen abgeschaut, ohne daran zu denken, dass die Konsequenzen für die Römer ähnlich sein werden wir für die Griechen. Sie lernten nicht aus der Geschichte und so wird sich die Geschichte wiederholen.“

Herodes: „Was willst du damit andeuten? Den Untergang Roms?“

Johannes: „Ja, wenn es mit der Geldfälschung so weitergeht, wird auch Rom in einigen Jahrhunderten untergehen. Die Preise werden weiter steigen, die Leute werden unzufriedener und unzufriedener werden. Die Feinde werden kommen und das Land übernehmen oder aber die Römer selbst werden sich durch eine Revolution oder durch ihre Dekadenz selbst zerstören.“

Herodes: „Du weißt nicht, was du sprichst, Johannes.“

Johannes: „Du hast nach den Gründen für die hohen Preise gefragt und ich habe dir geantwortet. Wenn es also mehr und mehr Münzen gibt, die keinen wahren sondern nur einen scheinbaren Wert besitzen, ist das eine Inflation, die zu hohen Preisen führt. Hohe Preise sind die Folge der Inflation.“

Herodes: „Was kann ich dagegen tun? Das Volk wird ärgerlich, je höher die Preise werden.“

Johannes: „Präge nur Gold- und Silbermünzen.“

Herodes: „Aber dann habe ich nicht genug!“

Johannes: „Jetzt kostet ein Brot 50 Dinare. Bei Julius Cäsar kostete es einen Dinar. Bei Augustus Cäsar kostete es bereits 30 Dinare. Der Wert des Brotes war nicht gestiegen, sondern der Wert der Dinare war gesunken. 5 Scheffel Weizen kostete bei Julius Cäsar einen Dinar, bei Augustus Cäsar kostete er 5 Dinare und heute, unter Tiberius, kostet die gleiche Menge Weizen 10 Dinare.

Inflation heißt, dass es mehr und mehr Münzen gibt. Das Angebot an Münzen ist gestiegen, das ist Inflation. Wenn das Angebot groß ist, ist die Nachfrage gering.

Ich will aber nicht mehr von wertlosem Geld sondern mehr von Wert.

Bei Augustus Cäsar herrschte Diktatur. Augustus herrschte über die Vereinten Nationen von Rom. Es gab keine Kriege. Der kleinste Widerstand wurde aber gnadenlos unterdrückt. Augustus hatte alle Nationen unter einer Union vereint und war ihr Herrscher. Er war ein strenger Diktator. Er hatte die Steuern erhöht und die Münzen weiter mit Kupfer vermischt. Statt 94% Silber hatte die Mümze nur noch 62% Silber. Wegen der Inflation waren die Preise gestiegen. Er brauchte mehr Geld für seinen Caritas-Staat.“

Herodes: „Es ist doch vernünftig, mehr Geld zu prägen, um den Armen zu helfen.“

Johannes: „Es gibt körperliche Sklaverei und geistige Sklaverei. Die Menschen befinden sich in geistiger Sklaverei und erkennen die wahre Vernunft nicht. Die Herrschenden verkaufen dem Volk ihren Unsinn als Vernunft. Genau wie die obskuren Sekten es verlangen, verlangte auch Augustus Cäsar strikten Glaubensgehorsam und bekämpfte jeden in seiner Pax Romana, der es wagte, seinen religiösen und politischen Unsinn irgendwie zu kritisieren.“

Herodes: „Du beschimpfst einen großen Herrscher!“

Johannes: „Groß ist, wer auf der Basis der natürlichen Prinzipien ein erfolgreiches Leben in Wohlstand und stetig wachsender Erkenntnis lebt.“

Herodes: „Ach Johannes, lass uns nicht darüber streiten, erzähle weiter, was es mit den Preisen auf sich hat.“

Johannes: „Augustus hatte nun eine weitere Idee:

Er wollte per Gesetz die Erhöhung der Preise verbieten. Er wollte die Preise kontrollieren. Die Bauern bekamen nun aber zu wenig Geld für ihr Getreide und so hörten sie auf, Getreide anzubauen. Es drohte den durch Rom vereinten Nationen eine Hungersnot. Augustus geriet in Panik und hat das Preiskontrollgesetz wieder abgeschafft. Die Bauern arbeiteten wieder auf ihren Feldern und die Hungersnot war abgewendet.

Augustus jedoch suchte nach einer weiteren Lösung und führte einen Mindestlohn für die Weinbauern ein. Ein Weinbauer hatte immer 100 Arbeiter verdingt, um die Trauben zu ernten. Nach dem Gesetz konnte der Weinbauer nur noch 20 Arbeiter verdingen und hat den Hof verkleinert, denn er konnte sich den Mindestlohn für 100 Arbeiter nicht leisten. Und wiederum gab es viel Armut unter den Arbeitern, weil sie keine Anstellung erhielten.

Tiberius Cäsar hat dann das Gesetz des Augustus wieder abgeschafft, weil er die unangenehme Konsequenz für die Arbeiter sah und einen Aufstand befürchtete.

Zu Beginn der Mehrmünzprägung gibt es einen scheinbaren Wohlstand, der jedoch bald verschwindet.

Ein Bäcker hatte eine Bäckerei und 5 Mitarbeiter. Als Augsutus mehr Geld geprägt hatte, gab es mehr Münzen. Die Leute geben mehr aus, wenn mehr da ist. Auch Augustus Cäsar und seine Freunde taten das. Die Leute kauften auch mehr Brot und das Geschäft des Bäckers blühte zunächst. Die Nachfrage war groß. Der Betrieb war jetzt zu klein, um die Nachfrage zu bedienen und der Bäcker baute ein größeres Backhaus und ließ 50 Arbeiter für sich arbeiten. Es sah so aus, als würde sein Wohlstand wachsen.

Doch nach kurzer Zeit merkten die Leute, dass das viele Geld, das sie hatten, wertloser war, weil die Preise höher und höher wurden. Augustus Cäsar bekam Panik und hörte auf, Geld mit Kupfer zu mischen und Münzen zu prägen.

Nun bekamen die Menschen nicht mehr Geld, also hörten sie wieder auf, so viel Brot und Kuchen zu kaufen. Sie kauften nur das Nötigste und der Bäcker verlor seine Kunden, verdiente weniger, konnte die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, entließ sie, verkaufte das Backhaus zum billigen Preis und kehrte zum alten kleinen Backhaus zurück mit den 5 Arbeitern. Er hatte große Verluste dadurch, obwohl er kurzfristig mehr verdient hatte.

Hätte Augustus weiter Kupfermünzen geprägt, wäre der Wert mehr und mehr gesunken und das Brot hätte irgendwann 1000 Dinare gekostet.

Er hatte also mit der Mehrmünzprägung nur einen scheinbaren Wohlstand erzeugt, der sich schnell in Luft auflöste. Und nun sieh, was wir heute für einen Zustand haben und beurteile.“

Herodes: „Was ist die Lösung?“

Johannes: „Präge nur Gold- und Silbermünzen, so wie es zu Anfang bei Julius Cäsar war.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Wenn er ihn gehört hatte, so tat er manches von dem, was Johannes sagte und er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Ein Mann wurde von Herodes gefangen genommen. Johannes fragte Herodes, warum dieser verurteilt worden war.

Herodes: „Er hat ein Lied komponiert, das sich gegen unser System richtet. Er hat Augustus und Tiberius angegriffen und gegen die Pax Romana gehetzt.“

Johannes: „Das ist Diktatur, Herodes!“

Herodes: „Du bist ein Anti-Römer, Johannes!“

Johannes: „Gib mir kein Etikett, Herodes. Das ist kein Argument. Sag mir, was falsch an dem Verhalten des Mannes war!“

Herodes: „Es ist doch wunderbar, was Augustus und Tiberius gemacht haben. Theater gebaut und vieles mehr. Sie haben so viel Gutes für das Volk bewirkt. Sie verdienen es nicht, beschimpft zu werden!“

Johannes: „Sie haben Gutes getan? Aber nicht mit ihrem Geld. Das ist es, wogegen dieser ehrenhafte Mann sich ausgesprochen hat, der durch dich nun im Gefängnis ist. Er hat gesagt, was ich auch sage. Jeder Mensch darf nur über sein eigenes Geld verfügen, nicht über das von anderen. Wenn er über das Geld von anderen verfügt, ist er ein Diktator. Ich bin intolerant gegenüber der Diktatur.“

Herodes: „Ich bin ein vertrauenswürdiger Herrscher, kein Diktator!“

Johannes: „Es geht nicht darum, ob ein Herrscher vertrauenswürdig ist oder nicht. Es geht darum, ob er tut, was das Volk will und vor allem, ob das Volk weiß, was er tun soll. Er soll dem Volk nichts versprechen. Das Volk bestimmt, was er halten soll. Es geht nicht um Versprechungen, es geht um das System. Er muss wirtschaftliche und persönliche Freiheit bewahren, das ist alles. Das soll er nicht großzügig versprechen, es ist keine Gnade, die er gewährt, es ist seine einzige Pflicht.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Wenn er ihn gehört hatte, so tat er manches von dem, was Johannes sagte und er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Beim ihrer nächsten Begegnung fragte Herodes Johannes:

Herodes: „Sag Johannes, wie hat das alles mit den Münzen eigentlich begonnen?“

Johannes: „Es gab Lebensgemeinschaften und jeder brachte seine Talente ein. Einer stellte Töpfe her, ein anderer Sandalen, ein dritter pflanzte Nahrungsmittel an und ein weiterer hielt Schafe zur Herstellung von Wolle und Fleisch. Sie trieben freien Handel miteinander, um für sich alles Notwendige zum Leben zu erlangen. Sie merkten jedoch, dass sie ein Tauschmittel benötigten, das haltbar ist. Sie überlegten hin und her, was das sein könnte. Es konnten zum Beispiel keine Kieselsteine sein, denn davon gab es Unzählige, so dass jeder sich davon hätte bedienen können. Sie hätten keinen Wert dargestellt, weil sie unbegrenzt vorhanden waren. So merkten die Leute, dass das Tauschmittel einen eigenen Wert haben und begrenzt vorhanden sein musste. Gleichzeitig sollte es überall von Wert sein, damit sie mit allen Menschen, auch denen in entlegenen Gebieten Handel treiben konnten. Schließlich entdeckten sie, dass Gold und Silber all ihren Anforderungen entsprach. Es war haltbar, es war begrenzt und so hatte es einen Wert an sich. So einigten sie sich und begannen, Gold- und Silbermünzen zu prägen und diese als Tauschmittel für ihren Handel zu benutzen.“

Herodes: „Ich verstehe die Bedingungen, die ein Tauschmittel aufweisen muss, aber dennoch funktioniert der Handel doch auch, wenn die Goldmünzen mit Kupfer vermischt sind. Doch du nennst sie Fälschungen.“

Johannes: „Der Handel mit dem von mir so genannten Falschgeld funktionert scheinbar nur deshalb, weil Zwang ausgeübt wird. Ihr Herrscher verfügt und erklärt das von mir so genannte Falschgeld zu richtigem Geld.“

Herodes: „Wie kannst du es also Falschgeld nennen?“

Johannes: „Die echten Münzen waren aus Gold und Silber. Wer sie besaß, besaß tatsächlich einen Wert. Die vermischten Münzen waren teils wertlos, dennoch wurde dem Volk weisgemacht, sie würden beim Tausch der wertlosen Münzen bei der Bank echtes Gold erhalten. Die Bank jedoch besitzt nicht mehr solche Mengen Gold, also ist es Betrug. Es ist Falschgeld, weil die Leute keinen wahren Wert dafür erhalten.“

Herodes: „Aber doch, aber doch, Johannes! Sie erhalten echte Kartoffeln für die gemischten Münzen.“

Johannes: „Sie erhalten Kartoffeln nur für immer höhere Preise. Um die Kartoffeln zu erhalten, müssen die Leute ein Vielfaches an Münzen aufbringen als früher. Warum? Weil die heutigen Münzen Fälschungen sind! Und weil sie in Massen geprägt werden, ohne dass ihnen ein wahrer Wert gegenübersteht. Der Handel wird eines Tages zusammenbrechen, wenn immer mehr Münzen geprägt werden.“

Herodes: „Was ist die Lösung?“

Johannes: „Präge nur Gold- und Silbermünzen, so wie es zu Anfang bei Julius Cäsar war.“

Herodes: „Was hast du nur immer mit diesem Goldwert? Wenn wir frei sind, dann sind wir auch frei, Werte selbst zu bestimmen und zu ändern nach unserem Gusto.“

Johannes: „Wenn ein Mensch voller Weisheit und göttlichen Verstandes es in der Hand hat, dann braucht er keinen Goldmaßstab. Da aber die Menschen nicht erleuchtet genug sind und ihr Bewusstsein über die göttlichen Zusammenhänge gering ist, ist ein greifbarer Maßstab, der objektiv ist, notwendig, um das Schlimmste zu vermeiden. Präge nur so viele Münzen, wie es Gold gibt. Damit sind 90% der Probleme schon ausgeräumt. Die restlichen 10% sind höhere Weisheit. Lege erst die Grundlagen. Wenn Freiheit da ist, sind die 10% schnell erfüllt. Freiheit garantiert Unternehmungslust und Fortschritt. Durch Unternehmungslust und Fortschritt entsteht Wohlstand. Nur in Freiheit. Misch dich nicht ein, wenn dir das Wohl des Volkes am Herzen liegt.“

Herodes: „Und wenn das Volk keine Unternehmungslust hat? Wenn es faul ist?“

Johannes: „Faul werden die Leute nur, wenn du ihnen ihr Geld wegnimmst, indem du Steuern verlangst.“

Herodes: „Was also ist dein Rezept, kurz und knapp?“

Johannes: „Führe den Goldstandard ein. Nimm das Gesetz zurück, das besagt, dass das Volk gezwungen ist, die falschen Münzen als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Schaffe die Steuer ab.“

Herodes: „Du machst es dir zu einfach. So einfach lösen sich die Probleme nicht. Du bist naiv.“

Johannes: „Nenne es, wie du willst. Wahrheit ist schlicht, klar, deutlich und einfach.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Zwei Mörder wurden einst zu Herodes gebracht. Einer hatte einen Zeloten ermord, der andere einen Römer. Herodes verurteilte beide zu Gefängnisstrafen in Machaerus. Der den Zeloten getötet hatte, erhielt fünf Jahre Gefängnisstrafe, der den Römer getötet hatte erhielt zehn Jahre Gefängnisstrafe. Johannes hörte von dem Urteil und fragte Herodes:

„Ist das Leben eines Römers wertvoller als das eines Zeloten? Das ist zweierlei Gerechtigkeit. Zweierlei Gerechtigkeit ist keine Gerechtigkeit.“

Herodes respektierte Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war und er gab Acht auf ihn. Er hörte ihn gerne. Doch er war verwirrt und gestört in seiner eigenen Überzeugung, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 

 


Als Herodes eines Tages Johannes nach der Gerechtigkeit der Umverteilung durch Steuern befragte, sagte dieser:

Johannes: „Was du als Gerechtigkeit bezeichnest ist keine Gerechtigkeit.“

Herodes: „Was meinst du denn damit schon wieder?“

Johannes: „Gott ist Vernunft. Gott zu verehren heißt also, die Vernunft zu benutzen. – Die Wirtschaft ist von Gesetzen abhängig. Es gibt zwei Klassen von Gesetzen. Zunächst die natürlichen, also göttlichen Gesetze und dann die politischen, menschlichen Gesetze.“

Herodes: „Ich verehre Gott. Woher weiß ich, ob ein Gesetz natürlich ist?“

Johannes: „Die natürlichen Gesetze basieren auf moralischen Prinzipien. Nach dem Untergang von Sumerien gab es viele Miniherrschaften und die Miniherrscher kümmerten sich nicht um das Volk und ließ es in Frieden, solange es die Steuer an sie entrichtete und bereit war, an ihren Kriegen teilzunehmen. Aber die Bürger stritten untereinander. Was war da zu tun? Es gab keine Gerichte! Sie lösten das Problem zu Anfang durch Gewalt, doch sie sahen, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Volk hatte die Idee, Streitfälle mit einem Dritten als Mediator zu lösen. Ein Mediator war normalerweise ein Priester. Dieser versuchte, eine friedliche Lösung zu finden. Die Mediatoren, sozusagen Ur-Richter, versuchten, zu erkennen, was richtig oder falsch war. Sie wollten ernsthaft die Prinzipien der Gerechtigkeit finden. Sie wollten keine politischen Gesetze haben, die sich täglich änderten, wie es heute bei Tiberius Cäsar der Fall ist, sondern sie wollten die Gesetze des Universums entdecken, wie bei der Atomtheorie. Was ist richtig, was ist falsch? Was gestern gerecht war, muss auch heute und auch morgen gerecht sein! Das ist das natürliche Gesetz!“

Herodes: „Wie bei der Atomtheorie? Das verstehe ich nicht.“

Johannes: „Vor 300 Jahren hatte Democritus ‚de re nature’ die Atomtheorie entdeckt. Ohne Geräte. Nur mit Vernunft und Logik! Er sagte, dass alle Dinge aus winzigen Teilchen zusammengesetzt sind, die nicht teilbar sind.“

Herodes: „Was hat das mit Gerechtigkeit zu tun? Du sprichst in Rätseln und zusammenhanglos!“

Johannes: „Auch die Mediatoren versuchten – wie Democritus – die Prinzipien der Gerechtigkeit zu finden. Durch Vernunft und Logik! Das ist der Zusammenhang! Der Zusammenhang ist die Vernunft und Logik, verstehst du? Sie hatten die Streitfälle vernünftig und logisch beurteilt. Nach welchen Prinzipien sollten sie die Fälle beurteilen? Nach jahrzehntelanger Erfahren, nach tausenden von Fällen, hatten sie die Prinzipien entdeckt. Ich sage es immer wieder: Nicht-töten, nicht-stehlen, und tun, was man versprochen hat!“

Herodes: „Und wie setzten sie das durch?“

Johannes: „Die Mediatoren-Richter wussten, dass sie Gewalt benutzen mussten, um Schuldige zu bestrafen, aber sie benutzten Gewalt sparsam und nur gegen diejenigen, die Gewalt zuerst benutzt hatten. – Die natürlichen Gesetze sind die Basis dafür, Gerechtigkeit zu erteilen in Fällen von Raub, Vandalismus, Vergewaltigung, Mord und Betrug.

Es ist wichtig für das Volk, das Wort zu halten. Dadurch bekommt man einen guten Ruf. Menschen handeln gerne mit zuverlässigen Menschen. Denn wer in kleinen Dingen untreu ist, ist auch in großen Dingen untreu. Verträge müssen klar und deutlich ausgedrückt werden, besonders unter Freunden. Wenn wir die Freunde schätzen, muss der Vertrag klar sein und geklärt werden, was bei Missverständnissen geschieht.“

Herodes: „Johannes, du bringst mich komplett durcheinander. Was hat das alles mit Gerechtigkeit und Steuern zu tun?“

Johannes: „Ich will dir damit sagen, dass du Gerechtigkeit falsch benutzt. Du weißt nicht, was Gerechtigkeit wirklich ist und nach welchen Kriterien etwas gerecht ist oder ungerecht ist. Du sagst, es sei gerecht, dem einen zu nehmen, um dem anderen zu geben, doch das verstößt gegen das zweite Prinzip von Gerechtigkeit: gegen das Prinzip ‚du sollst nicht stehlen!“

Herodes: „Steuer ist doch kein Diebstahl. Es ist eine Notwendigkeit, um das Gleichgewicht in unserer Lebensgemeinschaft zu erhalten!“

Johannes: „Der Zweck heiligt die Mittel nicht. Das Gleichgewicht darf nicht erhalten werden, indem ein Grundprinzip der Moral außer Kraft gesetzt wird. Sonst könntest du auch sagen, dass töten erlaubt ist, um alle glücklich zu machen. Es ist eine unlogische und absurde Argumentation. Deshalb betone ich Vernunft und Logik, weil alle Welt mit unlogischen Argumentationen ihre unmoralischen Handlungen rechtfertigt!“

Herodes: „Du scheinst etwas verrückt in deinen Ansichten zu sein, Johannes. Doch ich will Nachsicht mit dir üben, denn ich bin ein liebevoller Herrscher. Nun sag mir, wieso Freunde Verträge miteinander schließen sollten. Bedeutet das nicht, dass ich dem Freund misstraue?“

Johannes: „Ein Freund sagt zu dir: ‚Ich gebe dir ein Kilo Früchte, bitte mach Marmelade daraus.’ Der Freund geht und macht die Marmelade und verkauft sie und verdient viel Geld damit.“

Herodes: „Wo ist das Problem?“

Johannes: „Du dachtest, er macht die Marmelade für dich, nicht zu seinem Nutzen.“

Herodes: „Oh, ja natürlich!“

Johannes: „Besonders Freunde denken oft, dass der Freund sie ohne Worte versteht, doch jeder legt seine eigene Bedeutung in seine Worte, ohne sie konkret mitzuteilen. So entstehen die schlimmsten Streits zwischen Menschen, die Freunde waren.“

Herodes: „Das ist ein guter Gedanke. Ich werde nun mit meinen Freunden Verträge schließen. – Was noch kannst du mir zu Wirtschaft und Gesetzen sagen?“

Johannes: „Wirtschaft ist von den Gesetzen abhängig. Wenn ich etwas zu verkaufen habe, will ich eine Gegenleistung haben, die für mich wertvoll und für den Käufer in Ordnung ist, das heißt, er ist bereit, dafür zu bezahlen, was er glaubt, dass es wert ist. Wenn der Handel frei ist, entsteht Wohlstand für beide, jeder hat Vorteile von dem Handel, solange er freiwillig getan ist. Der Wohlstand wird gefördert. Wenn Gewalt und Zwänge eingeführt werden, ist es anders. Wenn ich gezwungen bin, 5 Dinare Silber für ein Pfund Oliven zu bezahlen, obwohl ich die Oliven nicht will oder wenn ich nicht glaube, dass sie 5 Dinare Silber wert sind sondern nur 3 Denair Silber, dann ist entweder einer oder sind beide der Parteien unglücklich und es entsteht ein Verlust.

In der Zeit der Republik war es möglich, der Besitzer einer Villa zu sein. Es war genug, wenn nur eine Person in der Familie arbeitete. Es gab damals keine Inflation, keine Armut, viele Arbeitsstellen. Die Schüler konnten lesen und rechnen, es gab keine Obdachlosen, es war möglich, die Tür seiner Villa offen zu lassen.

Seit Augustus Cäsar gibt es mehr und mehr Inflation, mehr Armut, mehr Obdachlose. Es gibt keine Arbeitsstellen und immer mehr Gewalt. Es ist nicht länger genug, wenn eine Person in der Familie arbeitet, sogar Frauen und Kinder müssen arbeiten. Es ist nicht mehr möglich, eine Villa zu kaufen wegen der Inflation. Wir müssen die Türen schließen, wenn wir das Haus verlassen.

Gewalt führt zu Armut und Steuer ist Gewalt. Man ist gezwungen, mehr zu bezahlen, als die Dinge wert sind. Steuer ist Ungerechtigkeit. So hängen Gerechtigkeit und Wirtschaft zusammen.“

Herodes: „Du meinst also, man solle nur nach den natürlichen Gesetzen handeln und nicht nach den menschlichen?“

Johannes: „Die natürlichen Gesetze, die auf den drei Grundprinzipien beruhen, sind alleine für die Menschen förderlich. Durch sie ist Freiheit und Wohlstand garantiert.“

Herodes: „Wie erkenne ich, ob ein Land nach natürlichen Gesetzen handelt?“

Johannes: „Es hat mehr Wohlstand, mehr Fortschritt, kein Verbrechertum. So war es zum Beispiel in Griechenland unter Perikles und in Rom während der Republik.“

Herodes: „Nun gut, nun gut. Du sprichst leidenschaftlich für Vernunft, Logik und Gerechtigkeit, wie du sie verstehst. Doch was ist mit Liebe und Barmherzigkeit?“

Johannes: „Die Basis für Liebe ist das natürliche Gesetz! Ist es liebevoll, zu töten oder zu stehlen? Ist es liebevoll und gerecht, einen Täter zu schützen und das Opfer zu vernachlässigen? Die natürlichen Gesetze sind gerecht und liebevoll, denn wir benutzen Gewalt nur gegen den, der Gewalt initiiert hat und schützen die Menschen, die guten Willens sind.“

Herodes: „Wenn wir Gewalt oder Zwang gegen die Täter benutzen, sind wir auf der gleichen Ebene wie die Täter.“

Johannes: „Nein, das ist nicht dasselbe. Der Täter muss gezwungen werden, für das Opfer zu bezahlen. Das ist gerecht und nicht lieblos. Wenn ein Mann einen anderen tötet, muss er gezwungen werden, für dessen Frau und Kinder zu sorgen. Das ist gerecht. Aber weder muss er für die Enkel des Opfers zahlen, noch muss sein Sohn für seine Tat bezahlen.“

Herodes: „Ist es nicht auch gerecht und barmherzig, wenn die, die etwas besitzen für die bezahlen, die unverschuldet nichts besitzen?“

Johannes: „Du kommst immer wieder auf den selben Punkt zurück und willst mich nicht verstehen, Herodes! Ich frage dich: Wer soll den Sündenbock spielen? Wir verteilen seit Julius Cäsar das Vermögen des Volkes um. Ist die Armut dadurch überwunden worden? Nein, sie ist immer noch da und sie vergrößert sich ständig. Die Ursache der Armut wird bei der Umverteilung nicht berücksichtigt. Die Ursache ist nicht aufgehoben. Die Ursache sind die Steuern und der Zwang durch den Herrscher! Es ist ungerecht von Petrus zu stehlen und an Paulus zu geben. Es ist lieblos und es ist Diebstahl. Ich wiederhole mich. Ein Mensch hat das natürliche Recht, das zu behalten, was er verdient hat. Den Verdienst durch Steuern zu nehmen ist Raub.“

Herodes: „Und was ist mit demjenigen, der auf der Straße liegt?“

Johannes: „Ich werde es dir zeigen!“

Johannes verlässt den Raum und kehrt nach wenigen Minuten mit einem Bettler zurück.

Herodes: „Johannes, wie kannst du es wagen, diese Kreatur in mein Haus zu bringen!“

Johannes: „Du machst dir Sorgen um die Armen? Hier ist ein Armer! Schau ihn dir an!“

Herodes warf einen angewiderten Blick auf den Bettler und sprach: „Was soll das?“

Johannes: „Gib ihm zu essen. Gib ihm Kleider. Gib ihm Gold!“

Herodes: „Was maßt du dir an? Du bist verrückt! Bin ich hier, den Armen zu füttern? Morgen kommst du gar mit zehn dreckigen Bettlern in mein Haus. Ich sage es ja, du bist völlig von Sinnen!“

Johannes: „Zehn sind dir zu viel? Kannst du sieben Bettler füttern und kleiden und reich machen?“

Herodes: „Das ist nicht meine Aufgabe!“

Johannes: „Nein? Kannst du drei Bettler füttern und kleiden und reich machen?“

Herodes: „Hinaus mit dieser Kreatur aus meinem Haus! Ich helfe den Armen, indem ich Steuern einnehme! Das ist genug!“

Johannes: „Das hat auch Julius Cäsar gesagt. Gab es dadurch weniger Arme? Im Gegenteil. Und Augustus wollte die durch seinen Vorgänger entstandene Armut durch noch mehr Steuern beseitigen. Jetzt unter Tiberius ist die Armut größer als bei Augustus. Was ist die Scheinlösung von Tiberius? Noch mehr Steuern. Und es gibt noch mehr Arme! Es ist ein Mythos, zu glauben, man könne Armut durch Umverteilung beseitigen. Ich habe dir die Lösung gegen die Armut gesagt. Natürliche Gesetze, freiwilliger Tausch, kein Zwang und keine Gewalt, keine Steuern und Gold als Standard des Wertes.“

Und ohne weiteren Gruß verließ Johannes mit dem Bettler das Haus des Herodes. Herodes jedoch schickte seinen Soldaten hinter Johannes her, um diesen zurückzuholen.

Herodes: „Wie wagst du es, ohne Gruß mein Haus zu verlassen?“

Johannes: „Ich bin es leid, mich zu wiederholen!“

Herodes: „Sprich, ist es in Ordnung, wenn die Menschen den Armen freiwillig helfen?“

Johannes: „Ich weiß, dass dir nicht an den Armen gelegen ist, das hast du soeben selbst bewiesen. Es geht dir alleine um Ruhe im Volk, damit du ungestört deine Macht genießen kannst. Doch um die Frage abschließend zu beantworten: Ja, aus eigener Tasche den Armen zu helfen, ist wahrhaft liebevoll. Doch du selbst hast darin versagt.“

Herodes: „Sprich nicht so mit mir, sonst wird es eines Tages üble Folgen für dich haben, Johannes!“

Johannes: „Ich bin frei, zu sprechen. Du selbst holst mich in dein Haus und befragst mich. Ich dränge mich dir nicht auf!“

Herodes: „Auch ich habe Meinungsfreiheit. Wenn du für Meinungsfreiheit bist, dann musst du auch tolerant sein meiner Meinung gegenüber. Toleranz ist eine große Tugend!“

Johannes: „Du missbrauchst die Meinungsfreiheit. Das ist nicht zu tolerieren in meinem Codex. Würde ich deine Meinung tolerieren, würde das bedeuten, dass ich die schlechten Werte toleriere, die die guten Werte zerstören. Es gibt Rechte, die ein Individuum besitzt. Was diese Rechte ignoriert, ist nicht zu tolerieren. Soll ich tolerant sein gegenüber Mord, Sklaverei, Raub? Toleranz für eine Meinung kann nur auf der Basis der moralischen Grundprinzipien des jus naturale gelten. Ich bin intolerant gegenüber falschen Werten, also solchen, die nicht auf den Grundprinzipien beruhen. Ich bin stolz auf diese Intoleranz!“

Herodes: „Lass uns nicht über solche Spitzfindigkeiten streiten. Ich bin ein guter Mench. Ich will Wohlstand für alle. Doch wie erreiche ich das?“

Johannes: „Das System soll so gerichtet werden, dass es keine Armen gibt. Dann brauchen wir nicht mehr über Arme zu reden. Zwangsgelder für die Armen haben außerdem schlechte Schwingungen, denn was durch Diebstahl genommen ist, kann nichts Gutes bewirken. Zudem erreicht das umverteilte Geld die Armen nicht. Nur 7% der Steuern erreichen die Armen. 93% bleiben bei den kaiserlichen Bürokraten. Durch natürliches, freies Gesetz können wir Wohlstand für alle bewirken.“

Herodes: „Wenn ich deinem Rat folge, bin ich überflüssig!“

Johannes: „Ja, wir brauchen keine Diktatoren, egal, wie sie sich nennen. Wenn das Volk die Wahrheit erkennt, wird es frei sein.“

Herodes: „Warum ist dir Politik und Wirtschaft denn so wichtig? Bist du nicht ein Mann Gottes? Was beschäftigst du dich mit Menschenwerk? Kümmere dich um die geistigen Angelegenheiten und überlasse das Weltliche denen, die sich damit auskennen.“

Johannes: „Politik und Wirtschaft beeinflusst uns alle, weil wir den Gesetzen der Oberen gehorchen müssen. Diese Menschenwerke können uns daran hindern, nah zu Gott zu gelangen. Wirtschaft ist vom Gesetz abhängig. Die Gesetze sind für den Wohlstand wichtig. Falsche Gedanken führen zu falschen Gesetzen. Solche Gesetze führen zu Unfreiheit. Unfreiheit führt zu schlechter Wirtschaftslage und es entsteht Armut. Gott will keine Armut, sondern Reichtum für seine Kinder, deshalb haben Politik und Wirtschaft sehr wohl etwas mit der Religion zu tun. Politik und Wirtschaft mit Liebe und Weisheit ist göttlich. Politik und Wirtschaft sind also sehr geistliche Angelegenheiten.“

Herodes: „Hier haben alle genug zu essen!“

Johannes: „Das sagen die Sklaven in Rom auch. Sie sind froh, gut behandelt zu werden und genug zu essen zu haben. Dennoch sind sie Sklaven!“

Herodes war verwirrt und gestört in seinen Überzeugungen, was ihn beunruhigte und verärgerte. Und er fuhr fort, das zu tun, was er immer getan hatte.

 


Eines anderen Tages befragte Herodes den Johannes erneut:

Herodes: „Sag, Johannes, ich weiß, dass du gegen Kriege bist. Wie aber hältst du es mit Befreiungskriegen? Ich helfe damit den Menschen, sich von ihren Diktatoren zu  befreien.“

Johannes: „Ich teile die Haltung der Zeloten nicht, Herodes. Ich bin gegen jede Art von Krieg.“

Herodes: „Ich meinte auch nicht einen Krieg gegen mich oder Cäsar! Ich spreche von einem möglichen Krieg, den Cäsar führen könnte gegen die Diktatoren eines anderen Volkes. Dann würde Cäsar deren Kaiser und sie wären frei.“

Johannes: „Aber eigentlich hat Cäsar kein Interesse an dem Wohl anderer Völker. Er hat Interesse daran, von ihnen Steuern zu kassieren, um seine vielen Schulden zu bezahlen. Er erfindet für die Steuern wohlklingende Namen. Oder er manipuliert ihr Gewissen. Er lässt das eroberte Volk für seinen Krieg bezahlen, den er angeblich für ihre Freiheit geführt hat, oder er lässt das eroberte Volk ohne Ende bezahlen für die Vergehen, die der einstige Diktator begangen hat. Und er nennt das dann Befreiungskrieg!“

Herodes: „Wie kannst du das behaupten? Cäsar ist ein aufrichtiger Mann!“

Johannes: „Du siehst es am Ergebnis. Die Länder, die erobert wurden, sind nach ihrer Eroberung nicht freier, der Unterschied ist nur, dass sie einen anderen Steuereintreiber über sich sitzen haben.“

Herodes: „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ein Staat nicht ohne Steuern existieren kann? Wir werden die Steuern senken, sobald es geht, sobald wir bessere Lösungen haben. Sobald es keine Armen mehr gibt, sobald keine Kriege mehr geführt werden müssen, sobald wir genug Paläste gebaut haben werden, sobald es dem Land besser geht …“

Johannes: „Ein Mann wurde zur Ader gelassen. Als es ihm danach schlechter ging als zuvor, sagten die Leute, es ginge ihm deshalb schlecht, weil er noch nicht genug geblutet habe. Das ist die Aderlass-Mentalität. Man wendet für ein Problem die Lösung an, die das Problem zuvor verursacht hatte.“

 


Als Johannes einst wieder im Haus des Herodes war, wurde ein Mann zu Herodes geführt, der Arbeit in seinem Haushalt suchte. Auch Herodias war anwesend.

Herodias: „Bist du nicht ein Zelote gewesen als Kind?“

Der Mann: „Ja, als Kind war ich ein Zelote, doch nun bin ich Herodianer und suche Arbeit in deinem Haus, hohe Frau.“

Herodias: „Wenn du als Kind ein Zelote warst, bekommst du keine Arbeit in meinem Haus.“

Und Herodes ließ den Mann hinauswerfen. Er wandte sich selbstsicher an Johannes und sprach:

„Siehst du, so ersticke ich alle Revolutionen im Keim.“

Johannes: „Das ist nicht richtig. Ein Mensch darf nur für seine konkreten Handlungen bestraft werden, nicht für seine Haltung.“

Herodes dachte nach und ließ den Mann zurückholen und gab ihm die Arbeit, denn manchmal tat er einiges von dem, was Johannes sagte.


….

Mk 6,19 Herodias hegte mittlerweile einen immer größeren Groll gegen Johannes. Sie wollte ihn töten, weil Johannes dagegen gewesen war, dass Herodes seine Ehefrau, die Tochter König Aretas, wegen ihr verlassen hatte, und konnte es nicht. Sie befürchtete, ihr neuer Ehemann Herodes könnte auf Johannes hören und sie zu ihrem ersten Ehemann Philippus zurückschicken.

Mk 6,20 Herodes aber verehrte (griech. phobeo, fürchten; verehren) Johannes insgeheim, da er ihn als gerechten und unschuldigen (griech. hagios, heilig; unschuldig) Mann kannte. Er beschützte ihn vor den Angriffen der Herodias. Wenn er ihn hörte, war er einerseits sehr verunsichert, doch andererseits hörte er ihn immer gerne und tat vieles, das Johannes ihm geraten hatte. Herodes ließ Johannes deshalb immer wieder zu sich rufen.

 


Herodes zu Herodias: „Johannes wird gleich kommen. Ich habe ihn rufen lassen, um einiges mit ihm zu besprechen.“

Herodias: „Ja, du bist zwar der Tetrarch, aber die Leute hören dennoch auf Johannes. Und das, obwohl er weder eine Armee noch Waffen hat.“

Herodes: „Ich bin mächtig. Ich bin der Herrscher.“

Herodias: „Du bist nicht mächtig. Du bist nur ein Untertan von Tiberius.“

Herodes: „Ich bin ein Mitglied der Vereinten Völker von Rom!“

Herodias: „Aber du wirst von Rom kontrolliert. Du bist nicht frei. Johannes aber ist frei, er ist stark genug, zu denken und zu sagen, was er will. Er fürchtet sich nicht.“

Herodes: „Tiberius Cäsar, das Oberhaupt der Vereinten Völker von Rom, liebt mich. Ich gebe ihm viele Steuern, deshalb schätzt er mich.“

Herodias: „Tiberius verschleudert das Geld, das du ihm gibst, nach seinem Gusto.“

Herodes: „Er hilft den Armen damit.“

Herodias lacht geringschätzig: „Ja, 7% ist für die Armen. Den Rest behält er für seine Verwaltung und für seinen Eigenbedarf.“

Herodes: „Er braucht auch viel Geld für die Sicherheit. Du weißt, dass wir uns ständig mit den Zeloten herumschlagen müssen.“

Herodias: „Die Zeloten und andere Freiheitskämpfer wollen uns von der römischen Herrschaft befreien. Führe du die Freiheitskämpfer an.“

Herodes: „Was? Ich bin der Tetrarch. Das kann ich nicht tun! Ich bin Rom treu. Rom garantiert uns Frieden und Sicherheit.“

Herodias: „Dann soll Johannes der Führer der Freiheitskämpfer sein.“

Herodes: „Ich verstehe dich nicht. Du sprichst in Rätseln.“

Herodias: „Johannes kann das Volk begeistern – du nicht!“

Herodes: „Und wenn wir dann von Rom befreit wären, wäre Johannes der Tetrarch?“

Herodias: „Mein lieber Gatte! Johannes will nicht Tetrarch werden, das interessiert ihn nicht. Du wirst Tetrarch bleiben. Johannes wird nichts dagegen haben. Lass ihn nur für deine Interessen arbeiten.“

Herodes: „Du verstehst nichts von Politik.“

Herodias: „Wenn du dein eigenes Volk besiegt hast …“

Herodes: „Wie kann ich mein eigenes Volk besiegen? Du meinst sicher ‚befreit‘!“

Herodias: „Herodes, denk nach! Du besiegst das Volk und sagst ihm, dass du es befreit hast.“

Herodes: „Was du sagen willst, verstehe ich nicht.“

Herodias: „Du tust das, was Rom tut.“

Herodes: „Ich verstehe immer weniger, was du sagen willst.“

Herodias: „Rom hat uns besiegt und verlangt nun Steuern von uns. Tu du einfach das Gleiche. Besiege dein eigenes Volk und verlange Steuern von ihm für dich alleine. Sag du dem Volk das gleiche, was Rom ihm jetzt sagt: Dass das Geld für die Armen und die Sicherheit ist.“

Herodes: „Du meinst, dass ich dann nichts mehr an Rom abgebe, sondern alles für mich behalte? Aber ich kann doch jetzt schon Steuern und Zölle verlangen, wie zum Beispiel auf die Einfuhr und den Handel der Waren. Wenn es dir nicht genug ist, werde ich mir neue Steuern einfallen lassen.“

Herodias: „Du hast immer noch nicht verstanden. Solange unser Land von Fremden wie Rom erobert ist, wird es immer Freiheitskämpfer wie die Zeloten geben. Wenn aber du selbst, ein Einheimischer, dein eigenes Volk einnimmst, wird niemand gegen dich kämpfen, du wirst nicht als Besatzer betrachtet werden, sondern als freie Regierung. Niemandem würde es einfallen, gegen eine freie Regierung zu kämpfen. Sie werden gerne von dir regiert werden, denn du bist einer von ihnen, kein Römer. Sie denken, du arbeitest in ihrem Interesse. Du kannst ihnen als ihr gewählter Herrscher sagen, dass du in ihrem Interesse handelst. Und alle Steuern kannst du selbst fordern und ausgeben, wie du willst.“

Herodes: „Dann werde ich König sein!“

Herodias: „Nein, gib dir einen anderen Titel, der den Leuten ein gutes Gefühl gibt, z.B. Verwalter. In Wahrheit bist du Alleinherrscher, aber nenne dich so, dass die Leute denken, du würdest in ihrem Interesse handeln. Ansonsten könnten sie sich weigern, ihr Geld an deine Steuereintreiber abzugeben.“

Herodes: „Und wenn Johannes nicht mitmacht?“

Herodias: „Ich schicke Salome zu ihm. Kein Mann kann Salome widerstehen.“

Johannes betritt den Raum.

Johannes: „Du hast mich rufen lassen?“

Herodes erklärt ihm den Plan.

Johannes: „Es ist nicht richtig, den Menschen ihr Eigentum wegzunehmen, ihr Geld, die Früchte ihrer Arbeit. Es ist nicht richtig, wenn Rom, eine fremde Macht, es tut, und es ist auch nicht richtig, wenn du, ein Landsmann, es tust. Ich werde mich an solch einer Handlung nie beteiligen und fordere auch dich auf, deinen Geist zu erneuern.“

Und erneut wandte Johannes sich von Herodes ab und ging seiner Wege.

 


Herodias zu Herodes: „Töte ihn, damit er unsere Absicht nicht verraten kann.“

Mt 14,5 Herodes hätte ihn jetzt aus Angst vor der Enthüllung seiner Absichten gerne getötet. Aber er fürchtete sich auch vor dem Volk, denn es hielt Johannes für einen Propheten.

Die zum Teil widersprüchlichen Berichte der Evangelisten zeigen die Widersprüche im Geist des Herodes. Er wollte Johannes töten, hielt jedoch Herodias davon ab, ihren Mordplan an Johannes auszuführen. Er betrachtete Johannes als einen Propheten und hörte seinen Reden zu, dennoch sperrte er ihn später ins Gefängnis. Er verehrte Johannes als einen aufrechten und ehrenhaften Mann, der ihm nichts Böses tun würde, jedoch fürchtet er, dass die Massen irgend etwas von dem tun würden, was Johannes ihnen sagte. Er wusste, dass alles, was Johannes sagte, richtig war, aber er folgte seinen Anweisungen nicht. – Diese Widersprüche zeigen, dass Herodes ein unentschlossener Mann ohne Rückgrat war.

Und Herodias wirkte weiter nach ihren Absichten auf ihn ein.

 


Herodias: „Herodes, warum duldest du Johannes überhaupt noch? Du bist mächtig. Du kannst ihn töten, wenn du es willst.“

Herodes: „Das Volk hält ihn für einen Propheten.“

Herodias: „Und deine Knie zittern. Er ist alleine, unbewaffnet. Du aber hast Soldaten. Rom unterstützt dich. Warum hast du Angst vor einem Jungen?“

Herodes: „Ein Adler fängt keine Fliegen.“

Herodias: „Richtig. Aber was tun wir mit Johannes? Vielleicht kannst du sein Anhänger sein. Dann hast du das ganze Volk hinter dir.“

Herodes: „Und dann? Predige ich im Tempel?“

Herodias: „Wir brauchen nicht diskutieren. Töte ihn.“

Herodes: „Dann geht er als Märtyrer in die Geschichte ein, als Heiliger. Und ich als Tyrann, als Schurke.“

Herodias: „Keine Ausrede. Töte ihn, oder ich tue es.“

Herodes: „Bleibe ruhig, Herodias! Ich brauche nach außen hin einen guten Grund, um ihn zu verhaften.“

Herodias: „Dann lass dir bald etwas einfallen, mein Gemahl!“

 


Als Herodes Johannes zu einem weiteren Gespräch befahl, wurde gerade ein Dieb vorgeführt, der einen Laib Brot gestohlen hatte. Herodes verurteilte ihn zu 5 Jahren Gefängnis.

Johannes hörte dieses Urteil, und als er vor Herodes trat, sagte er: „Ein kleiner Dieb wird ins Gefängnis geworfen, der große Räuber ist Tetrarch geworden.“

Als Herodes dies hörte, ergrimmte er vor Zorn und Wut und rief: „Speculatores! Nehmt Johannes gefangen und führt ihn nach Machaerus.“

Lk 3,20 Herodes fügte zu allen skrupellosen Taten noch dieses hinzu und sperrte Johannes im Gefängnis in der Festung zu Machaerus, östlich vom Toten Meer ein.

Herodias: „Das ist der erste Schritt zu Freiheit, Liebe und Logik.“

Herodes hätte Johannes‘ Recht auf Freiheit verteidigen müssen. Er hätte Herodias ermahnen müssen, Johannes in Ruhe zu lassen. Herodias‘ Vorstellung von Freiheit, Liebe und Logik basiert nicht auf ethischen Prinzipien.

(Mk 1,14) (Lk 4,14a) Mt 4,12 Die Nachricht von der Verhaftung Johannes des Täufers durch Herodes hatte sich wie ein Lauffeuer unter den Pilgern des Festes verbreitet. Nachdem Jesus hörte, dass Johannes im Gefängnis war, zog er sich zurück nach Nazareth in Galiläa.

 


Aber Jesus hielt sich nicht lange in Nazareth auf.

(Lk 4,14b)

Lk 4,15 Er lehrte in ihren Schulen und war von jedermann gepriesen

Mk 1,15 und sprach: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Ändert eure Haltung gegenüber Gott in geistlichen und moralischen Belangen (gr. metanoeo, Buße tun, den Geist wandeln, umdenken, in sich gehen, mit dem Alten und Sündigen brechen) und glaubt an das Evangelium!“

Mk 4,13-16 Und Jesus verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, das da liegt am Meer, im Lande Sebulon und Naphthali, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der spricht: ‚Das Land Sebulon und das Land Naphthali, am Ufer des Meeres Genezareth, jenseits des Jordans, und das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die am Ort und Schatten des Todes saßen, denen ist ein Licht aufgegangen.‘

Der Name ‚Kapernaum‘ stammt von dem hebräischen Wort ‚kefar‘, Ort und ‚nahum‘ Befreiung ab. Er drückt die Begeisterung aus, die das Volk bei der Befreiung aus der Gefangenschaft in Babylon empfunden hatte. Jesus versuchte, den Menschen die Befreiung aus der Gefangenschaft ihres konditionierten Geistes zu bringen. Sebulon ist der Stamm, der zum 10. Sohn des Jakob gehört. Naphtali ist der Stamm, der zum 6. Sohn des Jakob gehört. Sebulon bedeutet ‚Wohnsitz‘ der Fakultät ‚Vernunft‘ und des Gesetzes der Kausalität. Naphtali bedeutet ‚mein Ringkampf‘ mit den unterdrückenden Babyloniern oder – symbolisch gesehen – den irrationalen Konditionierungen.

Mt 11,1 Und es begab sich, als Jesus seine Anordnungen an seine zwölf Jünger erteilt hatte, ging er von da weiter, zu lehren und zu predigen in ihren Städten.

 


(Mt 11,2-3) Lk 7,18-19 Es verkündigten Johannes, der im Gefängnis war, seine Jünger das alles. Er rief zu sich seiner Jünger zwei und sandte sie zu Jesu und ließ ihm sagen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“

Lk 7,20 Als aber die Männer zu Jesus kamen, sprachen sie: „Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt dir sagen: ‚Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten‘?“

(Mt 11,4-6) Lk 7,22-23 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Geht hin und verkündigt Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf, den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert.“

Lk 7,21 Zu derselben Stunde aber machte er viele gesund von Seuchen und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden (gr. tuphlos, blind, im übertragenen Sinn geistlich-seelisch blind bzw. unempfindsam für etwas) schenkte er das Sehvermögen (gr. blepo, im übertragenen Sinn geistiges Wahrnehmungsvermögen).

 


(Mt 11,7-9) Lk 7,24-26 Als aber die Boten des Johannes hingingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Winde bewegt wird? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern? Seht, die in herrlichen Kleidern und Lüsten leben, die sind an den königlichen Höfen. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der da mehr ist als ein Prophet.

(Lk 7,27-28) Mt 11,10-11 Denn dieser ist’s, von dem geschrieben steht: ‚Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll‘. Wahrlich ich sage euch: Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist niemand, der größer ist als Johannes der Täufer; aber im Himmelreich ist der Kleinste größer als er.

Mt 11,12-15 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes. Und (so ihr’s wollt annehmen ) er ist Elia, der da zukünftig sein soll. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“

Lk 7,29 Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.

Lk 7,30 Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten Gottes Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen.

(Mt 11,16-19) Lk 7,31-35 Aber der Herr sprach: „Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markte sitzen und rufen gegeneinander und sprechen: ‚Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch geklagt, und ihr habt nicht geweint‘. Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß nicht Brot und trank keinen Wein; so sagt ihr: ‚Er hat den Teufel‘. Des Menschen Sohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagt ihr: ‚Siehe, der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und Sünder Freund‘! Und die Weisheit muss sich rechtfertigen lassen von allen ihren Kindern.

 


Mt 14,3-4 Herodes hatte Johannes ergriffen und in das Gefängnis gelegt wegen der Herodias, seines Bruders Philippus Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: „Es ist nicht recht, dass du sie hast.“

Mk 6,17 Er aber, Herodes, hatte Soldaten ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis gelegt um der Herodias willen, seines Bruders Philippus Weib; denn er hatte sie gefreit und wegen anderer Dinge.

 

(Mt 14,6-7) Mk 6,21 Es kam nun ein gelegener Tag für Herodias, um ihre unmoralische, weil lebensfeindliche Tat zu begehen.

Herodes feierte seinen Geburtstag und gab an seinem Geburtstag ein Abendmahl für die Staatsbeamten (griech. megistanes, die Großen) und die Prominenz (griech. protos, Allererster; Erster in Zeit oder Rang) aus Galiläa. Die Hoffestlichkeit fand auf dem prachtvollen Schloss Machaerus statt, in dessen Kerker Johannes der Täufer gefangen lag. Eine große Auswahl exotischer Speisen und Weine wurde für die singenden, musizierenden und tanzenden Gäste serviert. Der Höhepunkt des Festes war ein Tanz von Salome.

Mk 6,22 Als Salome, die Tochter der Herodias, selbst eintrat und tanzte, hat sie Herodes und seinen Gästen wohl gefallen. Der König (griech. basileus, König) Herodes sprach zu dem Mädchen: „Bitte von mir, was du willst, und ich werde es dir geben.”

Salome: „Was auch immer ich will?”

Mk 6,23 Herodes wiederholte sein unbesonnenes Versprechen mit größerer Bestimmtheit und Feierlichkeit. Er schwor ihr einen Eid: „Was immer du von mir bitten wirst, werde ich dir geben, bis an die Hälfte meines Reiches.”

Salome: „Einen Augenblick, ich frage meine Mutter.“

(Mt 14,8) Mk 6,24-25 Salome ging hinaus und sprach zu ihrer Mutter Herodias: „Der König hat mir versprochen, dass er mir geben wird, worum auch immer ich bitte. Was soll ich erbitten?”

Diese sprach: „Das Haupt Johannes des Täufers. Oder erinnerst du dich etwa nicht daran, wie er dich verschmäht hat, als du dich ihm zur Gefährtin angeboten hast?”

Als Salome eilig zum König hineinging, bat sie und sprach: „Ich will, dass du mir sofort das Haupt (griech. kephale, Kopf) Johannes des Täufers gibst.”

Herodes: „Was? Das ist unmoralisch.“

Salome: „Du hast einen Eid geschworen.“

Herodes hätte antworten sollen, dass sein Schwur nur ethisch korrekte Wünsche betrifft. Dass sein Schwur ihm nicht erlaube, einen Wunsch zu erfüllen, der das heilige Recht auf Leben verletzt. Doch er wollte sein Gesicht wahren und wusste aufgrund seines niedrigen Bewusstseins nicht, was richtig zu tun war. Macht ohne Richtigkeit ist Diktatur.

Die Geburtstagsfeier war nicht die Ursache für Herodias’ unmoralische Forderung. Herodias war schon zuvor unmoralisch. Jedoch hatte sie bisher keine Gelegenheit gehabt, ihre Unmoral auszuleben. Die Geburtstagsfeier verschaffte ihr diese Gelegenheit. Eine Gelegenheit verringert die Hemmungen, die man normalerweise hat, unmoralisch zu handeln. Der wahre Grund für ihre Tat ist die Missachtung des Prinzips des Rechts auf Leben. Eine solche Missachtung des Prinzips manifestiert sich in unmoralischen Handlungen, sobald die Hindernisse beseitigt und die Gelegenheit vorhanden ist. Ein guter Mensch aber wird auch durch eine Gelegenheit nicht zur Unmoral verleitet.

Herodes rechtfertigt Mord durch ein Versprechen, das er gegeben hatte. Man muss sein Wort halten, und ebenso muss man sein Gesicht wahren. Dies sind Werte. Aber indem man Werten folgt, dürfen übergeordnete Werte nicht gefährdet werden. Das ‚Recht auf Leben’ ist ein höherer Wert in der ethischen Wertehierarchie, als der Wert, ein Versprechen zu halten. Die Basis der Moralität ist das ‚Recht auf Leben’ und das ‚Recht auf Eigentum’. Andere Werte sind diesen Rechten untergeordnet und haben nur Gültigkeit, wenn die Basisprinzipien (‚Du sollst nicht morden und ‚Du sollst nicht stehlen’) respektiert werden. Herodes hätte als Gesetzgeber ein Mann von Charakterstärke sein und sofort mit Entrüstung Salomes Forderung zurückweisen sollen. Die Gäste hätten ihn dabei unterstützt. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm gewesen. Er sollte tun, was richtig ist und zu diesen guten Prinzipien stehen. Herodes repräsentiert jedoch Macht ohne Recht. Wenn Macht missbraucht wird, führt das zur Zerstörung der Vernunft, was symbolisch durch den Kopf des Johannes (Vernunft) ausgedrückt wird. Das Ergebnis von Nicht-Vernunft ist ‚Dunkelheit’, d.h. Armut und Gewalt.

(Mt 14,9-11) Mk 6,26-28 Der König war betrübt. Doch um des Eides willen und der Gäste wollte er sie nicht zurückweisen, indem er das Versprechen, das er ihr gegeben hatte, brach. Und alsbald schickte der König den Henker und hieß ihn, Johannes’ Haupt herzubringen. Der ging hin und enthauptete Johannes im Gefängnis und trug sein Haupt auf einer Schüssel her und gab es dem Mägdlein, und das Mägdlein gab es ihrer Mutter. Und so geschah es, dass Herodias ihr unmoralisches Ziel erreicht hatte und Johannes getötet wurde.